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Früher gab es bei uns hunderttausende von Flussperlmuscheln, mittlerweile sind sie stark vom Aussterben bedroht. Da sich die Muschel aber nur auf hochkomplexe Weise fortpflanzt, gestaltet sich die Zucht für die Umweltschützer sehr schwierig.

Die Flussperlmuschel ist die einzige Süßwassermuschel in Deutschland, die Perlen produzieren kann. Dass sie deshalb lange Zeit sehr begehrt war, erklärt sich von selbst. Die Kronen der Bayerischen Königinnen und Könige oder die österreichische Kaiserkrone wurden mit Flussperlenmuscheln verziert.

Die österreichische Kaiserkrone und weitere Insignien
© IMAGO | Volker Preußer
Die Rudolfinische Kaiserkrone mit Perlen der Flussperlenmuschel

Die Jagd nach den Perlen, die nur alle 1.000 bis 2.000 Mal in einer Muschel vorkommen, ist aber nur eine der Gründe, warum die Flussperlmuschel-Bestände extrem gesunken sind und die Muschel seit einigen Jahren vom Aussterben bedroht ist. Die Perlenernte ist mittlerweile streng verboten.

Schlechte Wasserqualität und neue Fressfeinde

Zudem ist die Muschel auf eine einwandfreie Umgebung angewiesen: Sie besiedelt nur Flüsse und Bäche mit einer guten Sauerstoffversorgung und einer sehr guten Wasserqualität. Doch durch Überdüngung, Abwassereinleitungen und auch Streusalz wurden die Bäche in den vergangenen Jahren stark verschmutzt.

"Die Flussperlmuschel besiedelt nur sauerstoffreiche Flüsse und Bäche mit einer sehr guten Wasserqualität."
Mario Ludwig, Biologe

Auch das Einschleppen von zwei neuen Fressfeinden, der nordamerikanischen Bisamratte und dem nordamerikanischen Waschbär, haben dazu geführt, dass es weniger Flussperlmuscheln gibt.

Fortpflanzung mit Zwischenwirt

Und dann ist da noch der hochkomplexe Fortpflanzungsprozess: Die Larven der Muschel können nur überleben, wenn sie nach dem Schlüpfen aus dem Ei von einer Bachforelle eingeatmet werden und sich dann dort im Kiemengewebe des Fisches festhalten können. Sie leben also eine Zeit lang in einem Zwischenwirt.

"Die Larven der Flussperlmuschel leben eine Zeit lang parasitisch – und zwar in den Kiemen von Bachforellen."
Mario Ludwig, Biologe

Dort saugen sie rund ein Jahr lang das Blut der Bachforelle, ohne ihr dabei nachhaltig zu schaden. Sind die Larven circa 0,5 Millimeter groß, lösen sie sich von den Kiemen der Bachforelle und lassen sich ins Flussbett fallen. Die harte Schale der Muschel, die bis zu 280 Jahre alt werden kann, bildet sich erst im erwachsenen Zustand. Mit 20 Jahren kann sich die Muschel selbst fortpflanzen.

Dieser komplizierte Lebenszyklus ist sehr empfindlich für Störungen, sagt Biologe Mario Ludwig. Zwar kann sich die Flussperlmuschel auch im Huchen oder Donaulachs einnisten, jedoch sind auch diese Fische derzeit massiv vom Aussterben bedroht und kommen zudem nur noch in der Donau und einigen ihrer Nebenflüsse vor.

Züchtung mit großem Aufwand

Spezialisten versuchen deshalb mit aufwendigen Methoden, die Flussperlmuschel zu züchten. Das passiert derzeit in der Eifel, im Vogtland und in Bayern, wo die Muscheln auch natürlich vorkommen. Dazu müssen sie im Sommer junge Bachforellen mit den Muschellarven infizieren, indem sie frisch geschlüpfte Larven in einen Spezialbehälter mit Bachforellen spülen.

Eine Aufzuchtstation von Flussperlmuscheln
© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas
Eine Auzuchtstation von Flussperlmuscheln in Sachsen

Diese Bachforellen verbringen dann den Winter in einem Zuchtgewässer und kommen im März des darauffolgenden Jahres zurück in die Muschelzuchtstation, wo sich die jungen Muscheln von den Kiemen lösen können. Nach einer kleinen Erholungsphase in Zuchtbehältern werden die Muscheln in ausgewählte, sehr saubere Gewässer ausgesetzt.

Erste Erfolge im Vogtland

Dass sich der komplizierte Vorgang lohnt, zeigen einige Erfolge: Im Vogtland sind nach Angaben der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, die das Projekt betreut und finanziert, in den vergangenen Jahren mehrere tausend Muscheln aus der Zucht zurück in die Gewässer gekommen. 30 Prozent davon haben überlebt. Bis sich eine stabile Population in den Bächen im Vogtland gebildet haben wird, wird es aber noch viele Jahre dauern, prognostiziert Mario Ludwig.