"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr." So heißt ein altes deutsches Sprichwort. Doch ist das wirklich wahr? Können wir nur als kleines Kind viel lernen und später nicht mehr?

Damit haben sich Wissenschaftler aus 15 verschiedenen Disziplinen befasst - in einer zweieinhalbjährigen intensiven Forschungsarbeit. Herausgekommen ist eine Stellungnahme, die Empfehlungen für eine hochprofessionelle frühkindliche Bildung ausspricht.

"Was ist die Krippe und was ist die Kita? Ist sie vorrangig ein Ort, der dafür sorgt, dass Frauen wieder rechtzeitig zur Arbeit gehen können oder ist sie möglicherweise auch der erste Bildungsort?"
Detlef Scheele, Bildungssenator Freie und Hansestadt Hamburg

Auf einer Podiumsdiskussion am 3. Dezember 2014 in Hamburg räumen die Wissenschaftler mit zahlreichen Irrlehren auf, die noch immer in der Bevölkerung fest verankert sind. Dazu gehört zum Beispiel, dass pränatale Frühbeschallung, wie sie einige Eltern mit fester Überzeugung durchführen, nachweislich sinnlos ist.

"Da gibt es ja zahlreiche Studien dazu, die zeigen, dass Mozart hören während der Schwangerschaft nicht zur Musikalität des Nachwuchses beiträgt."
Brigitte Röder, Bewegungswissenschaftlerin

Ein großes Problem, so wurde auf der gemeinsamen Veranstaltung der Akademie der Wissenschaften und der Leopoldina deutlich, sei auch die Ausbildung des "frühpädagogischen Personals" in Betreuungseinrichtungen, wie etwa in den Kindertagesstätten. Die Expertenrunde vertritt die Auffassung, dass sich in Deutschland bei der Ausbildung etwas ändern müsse. Abitur und Studium als Voraussetzung für die Arbeit als Erzieherin, so einige Experten, sei in anderen Ländern längst Standard, noch nicht aber bei uns.

"Jedes Lernen verändert die Strukturen des Gehirns. Sie gehen hier mit einem anderen Gehirn nachher raus - wenn Sie nen bisschen was mitgenommen haben."
Frank Rösler, Psychologe

Zu den Diskutanten im Hörsaal gehören der Hamburger Bildungssenator Detlef Scheele, die Familientherapeutin Angelika Kempfert, der Präsident der Universität Hamburg, Dieter Lenzen sowie die Psychologen Brigitte Röder und Frank Rösler.