Mit François Fillon als Präsidentschaftskandidat der Republikaner hatte keiner gerechnet. Seinen Mitbewerber Nicolas Sarkozy hat er auf den dritten Platz verwiesen.

Bei der ersten Runde der Vorwahlen der Les Républicains, der Republikaner, holte François Fillon 44 Prozent der Stimmen. Der als Favorit gehandelte Alain Juppé landet weit abgeschlagen auf Platz zwei mit 28 Prozent. Ex-Präsident Nicolas Sarkozy erhielt nur knapp 21 Prozent der Stimmen. Vier weitere Bewerber sind bereits aus dem Rennen. "Er ist ruhiger als Sarkozy, aber entschlossener als Juppé", zitiert die Süddeutsche Zeitung Le Figaro. Er sei deshalb der "Kandidat der Synthese". Wer der Kandidat der Republikaner wird, entscheidet die Stichwahl zwischen Fillon und Jupe am 27. November.

Zu der Urwahl der Republikaner erschienen vier Millionen Wähler. Wahlberechtigt war jede Französin und jeder Franzose, die zwei Euro zahlten, im Wahlregister eingetragen sind und unterschreiben, konservative Ansichten zu haben. François Fillon könnte die schärfste Waffe der Republikaner gegen Front-National-Chefin Marine Le Pen im Präsidentschaftswahlkampf werden. Der Politikwissenschaftler Joachim Schmid dagegen glaubt, dass Marine Le Pen, von der er glaubt, dass sie die Stichwahl um die Präsidentschaft erreichen wird, in Alain Juppé einen stärkeren Gegner haben würde. Denn dem durchschnittlichen Linkswähler würde es schwerer fallen, Fillon statt Juppé seine Stimme zu geben.

Charmant wie eine Auster

Der 62-jährige François Fillon kommt aus einer ländlichen Gegend im Departement Sarthe. Als 22-Jähriger ist er als Parlamentsassistent in die Politik eingestiegen, während er noch Jura in Le Mans und später Politikwissenschaften in Paris studierte. Von 2007 bis 2012 war er Premierminister unter Nicolas Sarkozy, der Fillon einmal seinen "Mitarbeiter" nannte. 2012 scheiterte François Fillon beim Versuch, Parteichef der UMP, der damalige Parteiname der Republikaner, zu werden. Selbst Parteifreunde nannten ihn "Mister Nobody" und attestierten ihm den "Charme einer Auster".

"Dass er mit diesem Abstand von 16 Prozentpunkten vorne landen würde, damit hatte keiner gerechnet, weder in Frankreich, noch im Ausland. Da war er auch selbst überrascht."
Joachim Schild, Politikwissenschaftler

François Fillon will liberale Wirtschaftsreformen durchsetzen und damit das Land wieder wettbewerbsfähiger machen. "Er steht für einen Richtungswechsel, viel stärker als Alain Juppé, hin zu einem liberleren Wirtschaftsprogramm", sagt Joachim Schild.

"Er kombiniert Wirtschaftsliberalismus mit einem sozialen Konservatismus in gesellschaftspolitischen Fragen. Es ist nicht zufällig, dass er auch die Unterstützung von rechtskonservativen-katholischen Kreisen in Frankreich genießt."
Joachim Schild, Politikwissenschaftler

Muslimische Gemeinden und Gottesdienste will er einer routinemäßigen staatlichen Kontrolle unterwerfen. Kontakt zu Terrororganisationen soll sofort mit Gefängnis bestraft werden. Außerdem solle Ausländern der Zugang zu Sozial- und Gesundheitssystemen sowie der Familiennachzug erschwert und eine Obergrenze für den Zuzug von Migranten eingeführt werden, listet Die Welt die Ideen des Kandidaten auf.

Auch für die französischen Lehrpläne hat François Fillon schon Vorschläge: Das Fach Geschichte soll inhaltlich renationalisiert werden, und die Grundschüler möchte er am liebsten wieder in Uniformen stecken.

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