Frauen in Aufsichtsräten besitzen deutlich weniger Einfluss und werden schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Denn diese sorgen für Ausschlusssysteme - auch bekannt als gläserne Decke. 

Zunächst die gute Nachricht: Der Frauenanteil in deutschen Aufsichtsräten steigt. Und nun die schlechte Nachricht: Ihr Einfluss ist gering - das ergab eine Untersuchung der Uni Mainz zur gesetzlichen Frauenquote in Führungspositionen. 

Ein Ergebnis dieser Studie war, dass Frauen deutlich seltener in einflussreiche Ausschüsse des Aufsichtsrates berufen werden. Und das wirkt sich auch auf das Gehalt der Frauen aus: Frauen im Aufsichtsrat verdienen laut der Untersuchung im Schnitt nämlich knapp ein Drittel weniger als männliche Aufsichtsratsmitglieder. 

Als Ursache für das Ungleichgewicht in der Besetzung bei gleicher Qualifikation der Frauen sehen die Forscher der Uni Mainz bekannte Methoden in den Führungsetagen. 

"Da Studien aus dem In- und Ausland belegen, dass Frauen in Aufsichtsräten nicht schlechter qualifiziert sind als Männer, kann in diesem Zusammenhang durchaus geschlossen werden, dass eine neue gläserne Decke innerhalb der Gremien entsteht.“

Woraus die so genannte gläserne Decke besteht 

Nicht überrascht von den Ergebnissen der aktuellen Studie ist die Arbeits- und Organisationspsychologin Karin Reichel. Denn sie kennt das Problem der von Viktor Bozhinov genannten "gläsernen Decke", die den Aufstieg von Frauen in einflussreiche Aufsichtsratspositionen verhindern. Und sie benennt verschiedene Mechanismen, die dafür verantwortlich sind:

  • Mechanismen, die auf der sozialen und der Beziehungsebene stattfinden
  • Mechanismen, die die Gleichstellung nur formal sicherstellen
  • Mechanismen, die bereits bei der Besetzung greifen: Da Aufsichtsratsstellen nicht offiziell ausgeschrieben werden, können Frauen sich nicht bewerben. Die Kandidatinnen würden also ausgesucht und handverlesen, so Reichel. 
"Meine Interpretation wäre, dass eben die passenden Kandidatinnen ausgesucht werden von den Männern. Ich würde ketzerisch sagen: 'Wer kann uns nicht gefährlich werden?'"
Karin Reichel über die Auswahlverfahren von Aufsichtsratsstellen

Gegen eine solche Auswahl helfe auch das seit 2015 geltende Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen (FüPoG) nicht. Daher fielen die Entscheidungen nach wie vor im Sinne der männlichen Kollegen.

"Wir holen die Frauen rein, die an dem System nicht wirklich etwas ändern und unsere Kreise nicht wirklich stören."
Karin Reichel über die Strategie in männlich dominierten Aufsichtsräten

Machen statt abwarten

Weitere Gesetze sind nach Karin Reichel nicht hilfreich, um die bestehenden Probleme zu lösen. Sinnvoller wäre es, die öffentliche Ausschreibung entsprechender Positionen verpflichtend festzulegen, um damit das Auswahlverfahren zu öffnen. Das hätte zur Folge, dass deutlich mehr Frauen in das Blickfeld der Nominierungsausschüsse kämen. Und dort - das hat die Studie der Uni Mainz gezeigt - sitzen nämlich viele Frauen. So könnten Frauen dafür sorgen, dass mehr Frauen in das System kämen. Wichtig sei dies, weil Frauen ab einer kritischen Masse auch von den männlichen Kollegen als Fachkolleginnen wahrgenommen würden. Es sei wichtig, so Reichel, entsprechende Strategien anzuwenden - die Zeit alleine werde das Problem nicht lösen. 

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