Frauenwahlrecht

Frauen wählen anders

Vor 100 Jahren durften Frauen zum ersten Mal ihre Stimme bei einer Wahl abgeben und sich selber auch wählen lassen. Wir wollen wissen, wem Frauen heute ihre Stimme geben und warum der Frauenanteil im Parlament immer noch so gering ist.

Svenja Krauss, Politikwissenschaftlerin an der University of Essex hat sich das Wahlverhalten von Frauen in Deutschland für uns etwas genauer angesehen. Sie sagt: "Frauen wählen tendenziell eher linke und progressive, also grüne Parteien." Frauen wählen hingegen eher seltener rechtspopulistische Parteien.

"Rechtspopulistische Parteien werden von Frauen eher seltener gewählt."
Svenja Krauss, Politikwissenschaftlerin an der University of Essex

Das Parlament würde demnach auch anders aussehen, wenn Frauen nicht an Wahlen teilnehmen würden. Svenja Krauss hat sich auch angeschaut, wie die Bundestagswahl im September 2017 ausgefallen wäre, wenn die Stimmen der Frauen rausgerechnet werden. Das Ergebnis: mehr AfD-Abgeordnete und weniger Abgeordnete von den Grünen und CDU/CSU.

"Gerade die Union hat bei der letzten Bundestagswahl auch wesentlich besser bei den Frauen abgeschnitten – eventuell wegen Merkel oder weil auch viele Männer zur AfD abgewandert sind."
Svenja Krauss, Politikwissenschaftlerin an der University of Essex

Bei einem Festakt zum hundertjährigen Jubiläum des Frauenwahlrechts, hat Angela Merkel in einer Rede darauf hingewiesen, dass der Anteil der Frauen im Parlament auch heute noch nicht wirklich von Gleichberechtigung zeuge. 31 Prozent Frauen – das sei genau der Frauenanteil, den auch der Sudan im Parlament habe. "Ich glaube, dass wir uns damit nicht zufriedenstellen können", so Merkel.

Angela Merkel in einer Rede zu 100 Jahren Frauenwahlrecht
"Niemand lacht ein junges Mädchen mehr aus, wenn es sagt, dass es später einmal Ministerin oder sogar Bundeskanzlerin werden will. Es soll sogar schon Fragen geben, ob es auch ein Mann werden darf."

Svenja Krauss sagt, dass dieses Problem eher bei den Parteien selbst liege. Denn für einen Teil der Abgeordneten können die Parteien eigene Listen erstellen. "Wenn man hier dem Beispiel der Grünen folgen würde und immer im Wechsel eine Frau, einen Mann aufstellen würde, dann könnte man ganz klar den Anteil stark erhöhen." Aber diesem Prinzip folgen bisher nur die Grünen und die Links-Partei.

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Vor 100 Jahren

Am 12. November 1918 hatte die provisorische Revolutionsregierung aus SPD und USPD, der sogenannte Rat der Volksbeauftragten, das allgemeine und gleiche Wahlrecht für Männer und Frauen im Deutschen Reich verkündet. Frauen durften dann am 19. Januar 1919 zum ersten Mal bei der Wahl der verfassunggebenden Nationalversammlung ihre Stimme abgeben. Bei der Wahl kandidierten 300 Frauen. 37 von ihnen zogen in das Parlament ein. 80 Prozent der wahlberechtigten Frauen gaben ihre Stimme ab.

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