Überall wird gerade etwas gegen Hatespeech und Co getan. Besondere Regeln hat jetzt der Streamingdienst Twitch veröffentlicht. Da wird nun auch empfohlen, was wir anziehen sollen.

Der Streamingdienst Twitch, der vor allem bei Gamern beliebt ist, hat keine Lust mehr, dass es bei seinen Streams wüst zugeht - sowohl während des Streams als auch danach. Mit den neuen Regeln nimmt der Dienst, der zu Amazon gehört, die Streamer stärker in die Pflicht: Sie sollen eine Vorbildrolle einnehmen.

Die Community bändigen - im richtigen Outfit

Dass Streams und Kommentarspalten frei von Hate sind, dafür sollen die Twitch-Streamer selbst sorgen. Mit der Ausrede "Ich war's nicht, die User waren's" kommen die Streamer nicht mehr durch. "Die neuen Communityregeln gehen deutlich weiter", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll. Bei Verstößen gegen die Nutzerregeln droht eine Sperre.

Neu ist auch, dass Streamer "angemessene" Kleidung tragen sollen. Die Richtung, aus der diese Richtlinie kommt, ist klar: Pornografie, Nacktheit, sexuelle Inhalte sollen nicht gestreamt werden, damit es nicht zu Belästigungen kommt und vor allem Minderjährige geschützt werden. Damit ist es allerdings nicht getan.

In Badehose ins Restaurant?

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Was eine angemessene Kleidung ist, dazu hat es direkt nach der ersten Veröffentlichung der neuen Regeln im Februar Probleme gegeben, da die Formulierungen ziemlich unklar blieben. "Da wurden zum Beispiel User geblockt, die völlig normale Klamotten anhatten; Jeans-Hotpats und Top", so Andreas Noll. Deshalb hat Twitch hier noch einmal nachgebessert und gibt im Unternehmensblog eine Orientierung: Angemessen sei, was man im jeweiligen Kontext auch in der Öffentlichkeit - quasi auf der Straße oder im Restaurant - tragen würde.

"We recommend creators wear attire that would be publicly appropriate for the context, location, and activity they are broadcasting."

Dazu nennt Twitch ein einfaches Beispiel: Im Jogger zu streamen sei für einen Fitnessstream okay, die Badehose passe zum Thema Schwimmen. Aber bedeutet das im Umkehrschluss, dass eine Kochshow in Jogginghose tabu ist?! Oder barfuß auf dem Sofa rumzugammeln, weil wir ja so nicht ins Restaurant gehen würden?

Die Macher betonen zwar, dass sie keinen ganz expliziten Kleidervorschriften vorgeben wollen. Die Twitch-Kleiderordnung bleibt aber  ein Stück weit Auslegungssache und damit auch weiter knifflig.

Über das Netz hinaus

Hintergrund der neuen Communityregeln ist übrigens nicht allein der gute Wille des Unternehmens. Durch die strafferen Regeln will das Unternehmen vor allem für Werbekunden attraktiv bleiben. Bei den Usern und Streamern gibt hierzu ein gemischtes Feedback. Dass Fluchen, Kraftausdrücke und rabiates Verhalten jetzt tabu sein sollen, kommt beispielsweise nicht überall gut an. "Das ist für viele Streamer bitter, die sich genau mit diesem Verhalten eine große Fan-Community aufgebaut haben."

"Die Plattform ist wohl zu wichtig für die Streamer, als dass sie ihr den Rücken kehren könnten. Sie müssen sich also jetzt wohl oder übel zusammenreißen."
Andreas Noll, Netzreporter

Zuletzt bleibt noch ein weiterer Punkt erwähnenswert, mit dem Twitch mit seinen Community-Guidelines weiter geht als andere Anbieter. Die Vorbildrolle der Streamer solle nicht auf das eigene Netzwerk beschränkt bleiben, sondern für das Verhalten generell in der Öffentlichkeit gelten.