Am 12. November 1918 wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt. Also genau vor 100 Jahren. In Saudi-Arabien dürfen Frauen seit 2015 wählen. Allerdings hat es seitdem auch erst eine Wahl stattgefunden, an der Frauen teilnehmen durften – als Wählerinnen und Kandidatinnen

Selbstverständlich ist die politische Teilhabe von Frauen deshalb noch lange nicht, sagt Nahost-Korrespondentin Anne Allmeling. Das sieht man auch an der Zahl der Frauen, die 2015 gewählt haben und gewählt wurden. Insgesamt wurden bei den bisher einzigen Wahlen 2015 nur 20 Frauen in die Kommunalräte gewählt – das sind gerade mal ein Prozent der zur Wahl stehenden Sitze.

Dass es so lange gedauert hat, bis in Saudi-Arabien ein Frauenwahlrecht eingeführt wurde, liegt vor allem an den konservativen Kräften im Land. Das saudische Königshaus habe immer schon Rücksicht genommen oder Rücksicht nehmen müssen auf die streng religiösen Teile der Gesellschaft, wie zum Beispiel die Wahabiten, erklärt Anne Allmeling.

"Auf dem Bündnis zwischen dem Haus Saud und den Religionsgelehrten beruht die Legitimität des Königshauses."
Anne Allmeling, Nahost-Korrespondentin für Deutschlandfunk Nova

Grundsätzlich werden in Saudi-Arabien Reformen eher langsam durchgesetzt. Das liegt daran, dass die Kreise, die darüber entscheiden – also der König und die wichtigsten Prinzen – immer versuchen, einen Konsens zu erreichen.

Wählen, arbeiten, Auto fahren

Reformen wie das Wahlrecht oder auch das Recht, Auto fahren zu dürfen, sind kleine Schritte auf einem langen Weg. Denn Frauen sind in Saudi-Arabien immer noch in vielerlei Hinsicht benachteiligt und auch abhängig von Männern. Sie dürfen zum Beispiel ohne die Zustimmung eines Mannes – also Ehemann, Vater, Bruder oder Onkel – nicht reisen, arbeiten oder ein Bankkonto eröffnen.

Das hat zur Folge, dass aktuell nur jede fünfte Frau in Saudi-Arabien überhaupt arbeitet. Das liegt auch daran, dass sich Frauen nicht im selben Raum aufhalten dürfen, wie ihre männlichen Kollegen. 

"Es gibt noch sehr viele Widersprüche zwischen auf der gesellschaftlichen Entwicklung und der politischen Entwicklung."
Anne Allmeling, Nahost-Korrespondentin für Deutschlandfunk Nova

Prinz Salman drängt zwar auf eine schnellere Umsetzung der Reformen, bekommt dafür aber auch viel Kritik in seinem Land. Denn es entsteht der Eindruck, er entscheide alleine, erklärt Anne Allmeling, und nehme andere Teile der Königsfamilie nicht mit.

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