Unter dem Motto "Neustart Klima" startet die Fridays-for-Future-Bewegung am 29.11. in ihren insgesamt vierten globalen Aktionstag. Wir haben mit Jakob Blasel gesprochen, der die Bundesregierung für ihre "nicht zielführende" Klimapolitik kritisiert.

Allein in Deutschland wird am 29.11. an mehr als 500 Orten demonstriert, Hunderttausende Teilnehmer werden erwartet. Das alles kurz vor der UN-Klimakonferenz, die am 02.12. in Madrid startet. Das Klimakabinett der Bundesregierung habe eine Reihe an "wirren Maßnahmen" beschlossen, die "nicht wirklich zielführend" sind, sagt Jakob Blasel. Zudem würden andere Maßnahmen das, was gut sei am Klimapaket, wieder nichtig machen. Jakob engagiert sich bei Fridays for Future in Halle an der Saale, demonstriert am 29.11. in Berlin und fährt auch zur Klimaschutzkonferenz in Madrid.

FFF: Deutsches Klimapaket reicht nicht

Insgesamt reiche das deutsche Klimapaket nicht aus, damit junge Menschen eine Zukunft bekommen, in der sie gut leben können, sagt Jakob. Es sorge teilweise für mehr Klimaschutz, teilweise aber auch für weniger. So sei zum Beispiel eine Pendlerpauschale, die überwiegend den Autoverkehr subventioniere und die eher wohlhabenden Menschen unterstütze, die einen Job haben, für den sie ohnehin schon weit fahren müssen, nicht nur klimaschädlich, sondern auch unsozial.

Hauptziel: Unter 2 Grad Celsius Erderwärmung

Das Klimapaket wird am 29.11. auch im Bundesrat besprochen. Auch dort ist man sich nicht einig. Dass man sich in einer Demokratie einigen und Kompromisse finden muss, lässt Jakob nicht wirklich als Argument gelten. Denn wenn das Ziel, unter 2 Grad globaler Temperaturerwärmung zu bleiben, nicht erreicht werde, sei das unumkehrbar.

"Wenn wir nicht deutlich unter 2 Grad, am besten 1,5 Grad bleiben, lässt sich das Ganze nicht mehr aufhalten."
Jakob Blasel, Fridays for Future Halle an der Saale

Die Bundesregierung überschreite diese rote Linie aber mit ihrem "undurchdachten" Klimapaket. Das Pariser Klimaabkommen könne damit nicht ausreichend eingehalten werden. Die Bundesregierung fahre quasi mit leeren Händen nach Madrid. Dass die Konferenz tatsächlich einen durchschlagenden Erfolg für den Klimaschutz bringt, glaubt er nicht.

10 vs. 180 Euro pro Tonne CO2

Die Große Koalition hat im Klimaschutzpaket festgelegt, CO2 ab 2021 mit 10 Euro pro Tonne zu bepreisen. Die Fridays-for-Future-Bewegung fordert das 18-fache: 180 Euro pro Tonne. Selbst die Grünen fordern mit 60 Euro "nur" den sechsfachen Preis.

"Jeder Wissenschaftler sagt, dass man bei 60 bis 80 Euro für eine Tonne CO2 einsteigen muss, damit das überhaupt einen spürbaren Effekt hat."
Jakob Blasel, Fridays for Future Halle an der Saale

Die 180 Euro seien eine langfristige Forderung und nichts, was jetzt sofort eingeführt werden sollte und könnte, sagt Jakob. 10 Euro seien aber viel zu wenig. Außerdem sei es ein Fehler, dass die Bundesregierung bis 2021 warte, um eine CO2-Bepreisung überhaupt erst einzuführen. Die Hoffnung, die aktuelle Regierung könne das Klimapaket noch derart verändern, dass seine Bewegung nicht mehr auf die Straße gehen muss, hat Jakob aufgegeben, sagt er.