Ob in Köln, Dresden oder Stuttgart, in der ersten, zweiten oder dritten Liga: Mit Randale im Fußball-Stadion wollen die meisten Fans nichts zu tun haben. Aktionen gegen Hools und aggressive Fan-Gruppen könnten bald aber alle treffen. Kommen auch in Deutschland reine Sitzplatz-Stadien?

Zuletzt waren sie erneut ein großes Thema in den Medien: Ausschreitungen im Fußball-Stadion. Und nicht nur dort, auch bei den Vereinen wird diskutiert, wie sich Randale eindämmen lässt. Schon jetzt gibt es Sanktionen und präventive Schritte wie bundesweite Stadionverbote oder personalisierte Eintrittskarten. Erst im Februar wurde beispielsweise den Kölner "Boyz" ihr Fanklub-Status aberkannt.

Stimmungstöter in England

Der Blick geht nach England, wo die Stadien schon in den 90er Jahren zu "All-Seatern" umgerüstet wurden. Das Argument: Durch nummerierte Plätze sind Randalierer besser zuzuordnen und gleichzeitig wird ihnen quasi der Spielraum entzogen. Für Christoph Ruf, Journalist und Buchautor zur Ultra-Szene, sind das schlechte Nachrichten. Das Beispiel England zeigt, wie Sitzplätze zu Stimmungstötern werden. Auch durch teure Ticketpreise feiern die Fans ihre Mannschaft längst lieber im Pub um die Ecke als live auf dem Platz.

"Die mediale Aufmerksamkeit ist heute eine ganz andere als vor 20 Jahren. Früher war das Thema Gewalt und das Thema Rassismus viel höher – eigentlich ist es besser geworden“.
Christoph Ruf, Journalist

Neu ist die Diskussion über die Sitzplatzreihen daher also nicht. Schon vor einigen Jahren kam der Vorschlag auf. Christoph Ruf erinnert sich: Ausgerechnet nach einem Spiel in Berlin. Und dabei ist das Olympiastadion, Heimat von Hertha BSC, bereits ein reines Sitzplatzstadion. "Völliger Unsinn", sagt Ruf, "das scheint die Probleme nicht zu lösen".

Den Ball flach halten?

Auch noch nicht ausdiskutiert ist, wie schlimm das Problem Fan-Gewalt überhaupt ist. Für den Journalisten Ruf eine Frage der Wahrnehmung, vor allem die mediale Aufmerksamkeit dieser Fälle sei gewachsen. Im Vergleich seien es Einzelfälle und Straftaten würden ohnehin schon durch das Strafrecht verfolgt. Für Ruf wäre die Sitz-Regelung eine unbedachte Hauruck-Aktion.

"Ich möchte aber nicht verharmlosen“, sagt Christoph Ruf. Probleme machen aber vor allem kleine Gruppen, die sich abspalten und sich für den Kick außerhalb des Spiels interessieren. "Das muss bestraft werden", sagt er. Wie bei allen anderen auch, mit den vorhandenen Gesetzen.