Selbst auf dem Land ist an vielen Orten nachts so hell, dass wir kaum noch die Sterne sehen können. Nicht nur Straßenlaternen - auch Lichterketten auf dem Balkon oder Lampen in unseren Wohnungen tragen zur Lichtverschmutzung bei. Für Tiere ist das ein großes Problem.

Lichtverschmutzung hat für viele Tierarten schlimme Folgen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Döbbelt. Massive Probleme bereitet die unnatürliche nächtliche Beleuchtung insbesondere Insekten – das kennen wir alle von umschwirrten Straßenlaternen bei Nacht.

Viele Arten werden vom künstlichen Licht angezogen, hat Franz Hölker, der am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei zum Thema Lichtverschmutzung forscht, unserem Reporter erklärt.

"Die Insekten werden quasi wie von einem Staubsauger einfach aus ihren Nachbarlebensräumen herausgezogen und fehlen dort als Nahrungsgrundlage."
Franz Hölker, Hydrobiologe

Es gibt Schätzungen, so Franz Hölker, dass pro Straßenlaterne 150 Insekten in nur einer Sommernacht sterben. Hochgerechnet für eine Stadt wie Zürich, wo um die 50.000 Straßenlampen stehen, heißt das: 7,5 Millionen Insekten - jede Sommernacht! Die fehlen dann anderen Tieren wie Vögeln oder Fledermäusen als Nahrung und für andere wertvolle Dienste, die sie sonst leisten.

Auch größere Tiere sind von dem Problem betroffen. Licht in der Nacht bringt zum Beispiel auch die innere Uhr von Feldhamstern durcheinander. Das kann dann dazu führen, dass sie den richtigen Zeitpunkt für ihren Winterschlaf oder für die Paarung verpassen, so dass sie weniger Nachwuchs bekommen.

Bewegungsmelder könnten problematisch sein

Ganz auf Licht zu verzichten nachts, ist schlecht möglich. Denkbar wäre aber, es nur dann anzuknipsen, wenn es benötigt wird – auch im öffentlichen Raum. So könnten Bewegungsmelder dafür sorgen, dass etwa eine wenig benutzte Seitenstraße nur dann erhellt wird, wenn auch wirklich jemand durchläuft.

Der von Johannes dazu befragte Experte ist bei dieser Lösung allerdings skeptisch. Das wäre zwar möglich, so Franz Hölker, könnte aber für manche Pflanzen in der Nähe, Bäume zum Beispiel, trotzdem ein Problem darstellen, weil deren biologische Uhr durcheinander kommt. Die Forschung weiß noch nicht, so der Biologe, welche Auswirkungen das hat.

Licht aus oder nach unten richten

Trotzdem gibt es Mittel, die helfen, erklärt unser Reporter. Im öffentlichen Raum zum Beispiel:

  • Lampen sollten nur dorthin leuchten, wo das Licht gebraucht wird. Eine Straßenlaterne etwa sollte auch wirklich nur nach unten auf die Straße Licht abgeben statt, wie viele alte Laternen das machen, auch zur Seite oder nach oben.
  • Lampen könnten irgendwann automatisch dimmen oder sich ganz ausschalten, wenn kaum noch jemand unterwegs ist, zum Beispiel nach Mitternacht.
  • Licht sollte die richtige Farbtemperatur haben: LED, die sehr viel blaues Licht machen, eignen sich weniger gut. Denn dieses kalte Licht wird in der Atmosphäre besonders stark gestreut und es scheint auch besonders schädlich für Tiere wie Insekten zu sein. Empfohlen wird eher warmes, gelbliches Licht für Außenbeleuchtung.

In manchen Städten werden solche Maßnahmen bereits umgesetzt, erzählt unser Reporter. Fulda zum Beispiel wurde vor einigen Jahren als erste sogenannte Sternen-Stadt Deutschlands ausgezeichnet: Die Stadt hat die Beleuchtung nach unten gerichtet, abhängig von der Uhrzeit gedimmt oder ganz abgeschaltet. Das macht sich offenbar auch in der Kasse bemerkbar: Nach eigenen Angaben hat die Stadt so ihren Energieverbrauch gesenkt.

Was jede*r von uns gegen Lichtverschmutzung tun kann

  • Unnötiges Gartenlicht abschalten: Wer nachts im Garten bestimmte Stellen mit Spots erleuchtet, sollte sich überlegen, ob das wirklich sein muss.
  • Auf Dekolicht am Haus oder Balkon verzichten: Am Haus, draußen am Fenster oder am Balkon besser keine Dekoleuchten anbringen, wie etwa Solar- oder Kugellichter.
  • Licht nach außen abschirmen: Drinnen abends am besten Vorhänge oder Rollos zumachen, wenn das Licht angeschaltet ist.