Das Fusion-Festival in Mecklenburg-Vorpommern ist anders: Es gibt keine Werbung, keine Sponsoren. Dafür 70.000 Besucher, die sich teils selbst organisieren. In diesem Jahr hat die Polizei Bedenken beim Sicherheitskonzept und will, dass der Veranstalter nachbessert. Doch der vermutet, die Sorgen seien vorgeschoben und die Polizei wolle damit ihre Präsenz auf dem Festivalgelände erreichen. Unser Reporter Dominik Peters erklärt, warum sich die Veranstalter quer stellen und warum die Polizei näher dran sein will.

Das Fusion-Festival ist ein Sonderfall in der deutschen Festivallandschaft: Es gibt keine Werbung, keine Sponsoren. Noch nicht einmal das Line-up ist im Vorfeld bekannt, dennoch gibt es rund 70.000 Besucher.

Das Festival findet in Mecklenburg-Vorpommern statt und ist laut Veranstalter das größte unkommerzielle, alternative Kulturfestival Europas - mit Musik, Theater und abgefahrenen Installationen.

Bedenken bei den Sicherheitsstandards

Es gibt auch keine feste Polizeipräsenz auf dem Gelände. Doch das könnte sich ändern: Jedenfalls ist das die Vermutung des Veranstalters. Die Polizei wolle Präsenz auf dem Gelände und schiebe deshalb Sicherheitsbedenken vor. Die zuständige Polizeibehörde wiederum will das Festival offenbar nicht genehmigen, denn das Sicherheitskonzept des Veranstalters halte nicht die geltenden Sicherheitsstandards ein. Dabei geht es auch um Fluchtwege.

Bei der Fusion ist alles etwas anders - bislang zumindest

Veranstalter des Fusion-Festivals ist Kulturkosmos Müritz. Bislang wurde die Polizei gerufen, wenn es nötig war.

Das Festival hat sein eigenes Selbstverständnis: eher links und selbst organisiert. Anders als etwa bei Rock am Ring oder Hurricane stecken hinter der Fusion keine großen, kommerziellen Konzertveranstalter, sagt unser Reporter Dominik Peters.

"Die Fusion ist sehr weit links und versteht sich als Festival der Freiräume, wo sich die Gesellschaft selbst organisiert und dafür sorgt, dass Sicherheit und Ordnung aufrecht erhalten werden."
Dominik Peters, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

So gab es bislang bei der Fusion eben auch keine festen Polizeiwachen. Laut Veranstalter sorgen rund 10.000 Mitarbeiter und freiwillige Helfer für die Sicherheit. Die wenden sich falls nötig an private Sicherheitsdienste auf dem Festivalgelände. Außerdem sei das Gelände privater Grund des Veranstalters und es herrsche Hausrecht.

"Der Veranstalter beruft sich auf das Hausrecht. Das Gelände sei privater Grund des Veranstalters - und der sei dann auch für die Sicherheit verantwortlich."
Dominik Peters, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Bislang ist die Fusion friedlich verlaufen. Die Anzahl der angezeigten Gewaltdelikte wie Körperverletzung oder Raub liegt im Schnitt bei 2,5 Fällen pro Jahr - bei rund 70.000 Festivalbesuchern. Im Polizei-Pressebericht zur Fusion 2018 gibt es keine Hinweise auf Gewalt. Die Fusion sei wie auch in den vorangegangenen Jahren ohne besondere Vorkommnisse verlaufen.

Aber es gibt wohl ein Problem mit Drogen: Bei den Verkehrskontrollen bei An- und Abreise gab es laut Polizei hunderte Fälle, in denen Festivalbesucher unter Drogeneinfluss Auto gefahren sind oder auch Drogen dabei hatten.