Die Fußballnationalmannschaft der Männer ist Weltmeister und die Frauen haben bei den Olympischen Spielen Gold geholt. Doch es kriselt bei unseren Vorzeigefußballern.

Im Juni startet die Fußballweltmeisterschaft der Herren in Russland. Und das deutsche Team von Trainer Joachim Löw reist nicht nur als Titelverteidiger an, sondern auch als Favorit. Überhaupt spielt die Mannschaft seit Jahren bei jedem Turnier ganz vorne mit. Und bei den Frauen sieht es ähnlich aus, ein Titel jagt den nächsten. Eigentlich läuft also alles fantastisch im deutschen Spitzenfußball. Oder?

Es rumpelt vor und hinter der Fassade. Der DFB hat gerade seine Trainerin Steffi Jones rausgeschmissen, nachdem ihr Team mehrere Niederlagen und den letzten Platz beim Vier-Nationen-Turnier SheBelieves Cup eingefahren hatte. Und auch Oliver Bierhoff hat auf den Tisch gehauen: Er fordert den deutschen Fußball auf, einen Plan für eine neue Qualitätsoffensive aufzulegen. Damit der deutsche Fußball nicht wieder in ein sportliches Loch fällt wie in den Jahren 2000 und 2004, als das Team bei den Europameisterschaften schon in der Vorrunde ausschied.

Steffi Jones.
© dpa
Steffi Jones ist raus: Der DFB hat sie von ihrer Aufgabe als Trainerin entbunden.

Max Jakob Ost vom Rasenfunk-Podcast kennt die Gründe für die schlechte Laune in Fußball-Deutschland und bei Oliver Bierhoff: Andere Nationalmannschaften holen auf und sind den Deutschen dicht auf den Fersen. "Der infrastrukturelle Vorteil, den sich Deutschland aufgebaut hat, reicht nicht alleine aus, um in Zukunft an der Weltspitze mitzuspielen", sagt Max Jakob Ost.

Eine Akademie für den DFB-Nachwuchs

Dabei macht der DFB schon recht viel, um den sportlichen Nachwuchs zu fördern. In Frankfurt entsteht etwa die DFB-Akademie, die kostet 150 Millionen Euro, soll ungefähr bis 2020 fertig sein und sich ganz gezielt an junge Spieler wenden. "Unsere Nationalspieler haben nicht bei Bayern, Borussia Dortmund oder Real Madrid angefangen, sondern bei einem der 25.000 Vereine in Deutschland", sagt dazu DFB-Präsident Reinhard Grindel im Gespräch mit kicker.de.

"Mir ist das zu wenig. Die eigentliche Frage ist: Was tut sich auf der Ebene der Vereine?"
Max Jakob Ost, Rasenfunk-Podcaster

In Deutschland gibt es schon 366 DFB-Stützpunkte, auch die Vereine haben Sportzentren für ihren Nachwuchs. "Die Struktur und das Niveau sind wunderbar", sagt Max Jakob Ost. Aber in diesen Zentren werde vor allem auf Taktik wert gelegt, auf Spielsysteme und so weiter, aber nicht so sehr aufs eigentliche Spiel. Die Deutschen seien fit, können schnell laufen, aber: "Doof gesagt, gewinnen unsere Fußballer kein Dribbling mehr."

In der spanischen Liga zum Beispiel werde sehr viel mehr spielerisch gelöst. "Die können viel mehr mit dem Ball machen", sagt Max Jakob Ost. "Der Ball ist ihr Freund." Während andere Teams also spielen, wird bei uns eine Mauer gebaut, um den Ball abzuwehren. "Das ist ein defensivzerstörischer Fußball, der nicht immer schön anzusehen ist."

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