Krawatten abschneiden, Schlüssel übergeben - das sind Karnevalsbräuche im Rheinland. Etwas derber mag man es im Ruhrpott. Das berüchtigte Gänsereiten sorgt für Empörung.

Tief im Westen hat sich an Karneval eine alte Tradition bewahrt: das Gänsereiten oder auch Gäsekoppen. Wie das abläuft? Eine tote Gans wird an den Füßen zwischen zwei Bäumen aufgehängt, dann versuchen Männer auf Pferden, ihr im Galopp den Kopf abzureißen. Und damit der auch abgeht, wird der Hals immer wieder eingeschnitten. Irgendwann ist das Gewebe so lose, dass sich der Kopf vom Rumpf trennen lässt. Und wer das vollbracht hat - wer dem Vogel den Kopf abgerissen hat - darf sich Gänsereiterkönig nennen. Ein großes Spektakel, das sich jedes Jahr mehrere Hundert Schaulustige ansehen - darunter viele Kinder. Angeblich geht der 400 Jahre alte Brauch auf spanische Soldaten zurück, die einst an lebenden Gänsen zerrten.

"Unsere Forderung ist ganz einfach: lebendes Federvieh gegen Attrappen eintauschen."
Tom Gerhards, einer der Vorsitzenden vom Verein „Notpfote, Animal Peace“.

Im Jahre 2015 gibt es in Bochum-Wattenscheidt noch zwei Orte, die Gänsereiten organisieren - in Sevinghausen und Höntrop. Und dann sind da noch einige andere Städte, die dieses Brauchtum pflegen. Allerdings kommen dort keine echten Gänse, sondern Gummiattrappen zum Einsatz. Und genau das fordern Tierschützer jetzt auch von den Bochumer Vereinen.

Die Tierschützerin Sandra Lück, hat eine Petition ins Netz gestellt, die mittlerweile über 50.000 Menschen unterzeichnet haben. Ihr geht es neben den Gänsen auch um die Kinder, die sich das blutige Spektakel lieber nicht ansehen sollten. Die Reaktion der Gänsereiter? Wer das blutige Schauspiel nicht mit ansehen könne, der brauche einfach nicht zu kommen, sagte sie im Interview mit dem Onlineportal Der Westen.

Geschlachtet und gegessen

Auf Anfrage von DRadio Wissen wollten sich die Gänsereiter nicht äußern. In früheren Interviews haben sie aber immer versichert, die Tiere würden vorher ordnungsgemäß geschlachtet und im Anschluss an das Spektakel auch gegessen. Für Menschen wie Tom Gerhards, die nach der Maßgabe, "mit Essen spielt man nicht", erzogen wurden, natürlich kein Argument.