Frauen sind empathischer als Männer. Diesen Schluss ziehen italienische Forscher, nachdem sie beobachtet haben, wer mehr mitgähnt. Frauen oder Männer. Es waren deutlich mehr Frauen.

Fünf Jahre lang haben die Forscher 1500 Menschen in ihrem Alltag beobachtet. Sie haben also sehr viele Gähn-Daten gesammelt. Wichtig war ihnen, die Menschen in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten - ohne ihr Wissen - und nicht in einer verfremdeten Labor-Situation. Die Daten stammen zum Beispiel aus dem Büro, von Partys oder von gemeinsamen Treffen zum Mittagessen.

Frauen sind nicht öfter müde

Im Fachmagazin "Royal Society Open Science" kommen die Forscher zu dem Schluss, dass Frauen empathischer sind als Männer. Diese These wurde bereits in neurobiologischen Studien nachgewiesen, ebenso in psychologischen und jetzt eben auch aus verhaltensbiologischer Perspektive. Denn laut der Daten gähnen Frauen doppelt so häufig mit wie Männer.

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Wichtig ist dabei, zu unterscheiden, ob sie als Reaktion auf andere gähnen, oder einfach weil sie müde sind, oder in einem sauerstoffarmen Büro sitzen. Hierzu haben die Forscher die Drei-Minuten-Regel etabliert. Wenn innerhalb von drei Minuten nachgegähnt wurde, war es eine Reaktion, wenn später gegähnt wurde, dann war es aus eigenem Impuls heraus. Bei den Erstgähnern sind Männer und Frauen gleich auf - bei den Nachgähnern sind es aber doppelt so häufig Frauen.

"Frauen sind empathischer und Sympathischen wir eher nachgegähnt."
Kathrin Sielker (DRadio Wissen)

Eine weitere Beobachtung der Forscher war, dass wir offenbar eher geneigt sind, bei anderen mitzugähnen, wenn wir sie gut kennen und wenn sie uns nahe stehen. Zusätzlich zur Gähn-Häufigkeit haben die Wissenschaftler das Beziehungsgeflecht aufgenommen. Hier haben sie einen Zusammenhang zwischen Nachgähnen und Verwandschaft festgestellt.

"Wenn deine Schwester gähnt, gähnst du eher mit als bei einem Unbekannten auf der Straße."
Kathrin Sielker (DRadio Wissen)

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