Rupfen und raufen - wenn lebende Gänse ihre Daunen für uns lassen müssen, ist das oft ein sehr schmerzhaftes Prozedere. Dabei gibt es genug Alternativen.

In vielen Ländern – beispielsweise in Rumänien, Ungarn, Polen und China – ist es immer noch üblich, lebendige Gänse zu rupfen, um ihnen die Daunenfeder zu entfernen. Gänse und Enten lebend zu rupfen, ermöglicht es, sich mehrmals im Jahr zu bedienen. Für die Tiere ist allerdings sehr schmerzhaft, wenn ihnen bei lebendigem Leib die Federn herausgerissen werden.

Daunen sind oft auch ein Nebenprodukt der Fleischproduktion. Sie stammen meist aus der Massentierhaltung. Zum Teil werden Daunen auch aus der Stopfleberproduktion gewonnen, die in Deutschland zwar verboten, aber in Frankreich und Belgien immer noch erlaubt ist.

Raufen – ein Schlupfloch, das das Verbot des Lebendrupfes umgeht

Der Lebendrupf ist bei uns verboten – wie auch in den meisten anderen EU-Ländern. Es gibt allerdings ein Schlupfloch, mit dem man dieses Verbot umgehen kann. Denn das sogenannte Raufen ist weiterhin erlaubt.

Raufen bedeutet, dass den Gänsen in der Mauser – also in der Zeit, in der sie ihre Federn auf natürliche Weise verlieren – lose Federn herausgekämmt werden. Das sollte vom Prinzip her weniger schmerzhaft für die Tiere sein, ist es aber in der Realität oft nicht.

Das Problem besteht darin, dass sich nicht alle Gänse gleichzeitig in der Mauser befinden. Bei der industriellen Daunenproduktion werden aber alle Gänse gleichzeitig gerauft. Die Vorgehensweise ist sehr grob und es werden immer wieder Federn mit herausgerissen, die sich noch nicht gelöst hatten.

"Bei der industriellen Daunenproduktion werden oft alle Gänse gleichzeitig gerauft. Es ist oft sehr grob und es werden immer wieder Federn mit ausgerissen."
Krissy Mockenhaupt, Deutschlandfunk Nova

Inzwischen gibt es verschiedene Prüfsiegel wie den Downpass, die dafür garantieren sollen, dass die Federn nicht aus Lebendrupf stammen. Auch das Raufen während der Mauser und Federn aus der Stopfleberproduktion erhalten kein Downpass-Siegel. Dieses Zertifikat wird auch vom Deutschen Tierschutzbund empfohlen.

Ähnliche Vorgaben gelten auch für andere Siegel wie den Global Traceable Down Standard (Global TDS) und den Responsible Down Standard. Laut der Welttierschutzgesellschaft ist der Global TDS weitreichender, weil die gesamte Lieferkette von der Brut bis zur Schlachtung von unabhängigen Kontrollierenden geprüft wird.

Herkunft von Daunen oft unklar

Es gibt Siegel, die von Industrieverbänden und Unternehmen etabliert wurden und von diesen vergeben werden. Da die Industrie kommerzielle Interessen verfolgt, ist bei diesen Siegeln womöglich Vorsicht geboten. Manche Tierschutzorganisationen wie beispielsweise Peta gehen noch einen Schritt weiter. Sie sagen, dass gar kein Siegel für die tierethische Gewinnung von Daunen garantieren könne, da die Betriebe zu selten kontrolliert würden. Im vergangenen Herbst hat die Stiftung Warentest die Daunendecken von zehn Herstellern überprüft. Nur drei davon lieferten voll­ständige Belege für die Herkunft der Daunen bis zurück zur Farm. Die anderen legten zwar Zertifikate vor, konnten aber nicht voll­ständig belegen, woher die Daunen stammen, so die Tester.

Alternativen zu Daunen

  • Manche Kunststoffe, die als Alternative für Daunen verwendet werden, sind nicht besonders umweltfreundlich oder nachhaltig, weil sie zum Beispiel Erdöl enthalten können.
  • Nachhaltige Daunen pflanzlichen Ursprungs: Viel bessere eignen sich natürliche Materialien als Alternative für Daunen, dazu zählen Hanf, Bambus, Baumwolle oder die Naturfaser des Kapokbaumes. Kapok zum Beispiel erinnert an Baumwolle und wird auch "Pflanzendaune" genannt. Inzwischen gibt es viele "vergane Daunen", die zwar Vor- und Nachteile haben können, aber durchaus einen guten Ersatz für tierische Daunen bieten.
    • Luxusprodukt Eiderdaunen – sehr teuer, aber auch sehr nachhaltig: Wer bereit ist, viel Geld zu bezahlen, kann sich auch für Eiderdaunen-Produkte entscheiden. Dabei handelt es sich um die Daunen der Eiderente. Die Eiderenten müssen weder gerauft noch gerupft werden. Die Daunen werden aus bereits verlassenen Nestern der Eiderente entnommen. Die Eiderente polstert ihr Nest mit den eigenen Federn aus, damit die Küken es schön warm haben. Eiderenten-Daunen sind rar und es ist sehr aufwendig, sie zu "ernten". Daher sind die daraus gefertigten Produkte in der Regel sehr teuer: Eine Bettdecke mit Eiderdaunenfüllung kostet zwischen 1.500 und 8.000 Euro.