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Fische sind die Kleingärtner*innen der Meere. Für eine gute Ernte pflegen sie ihre Pflanzen und kommen anderen Meerestieren zur Hilfe, wenn bei ihnen das Unkraut wuchert.

Alle, die Gemüse, Kräuter oder Blumen in ihrem Garten oder auf dem Balkon wachsen lassen, wissen, wie viel Pflege es braucht: Die Pflanzen benötigen ausreichend Wasser, müssen mit Dünger versorgt und von Unkraut befreit werden.

Gärtnern, damit sich die Lieblingspflanze vermehrt

Ähnlich wie unsere Gärten auf dem Balkon oder am Haus gibt es auch welche unter Wasser – hier kümmern sich Fische wie der sogenannte Farmerfisch um ihre Unterwasserschrebergärten.

Der 15 Zentimeter große Fisch, der in den Korallenriffen des Indischen Ozeans und des Roten Meeres lebt, verfolgt mit seinen Unterwassergärten ein bestimmtes Ziel: Er möchte mehr von der Fadenalge Polysiphonia für sich haben. Die frisst er nämlich gerne – wahrscheinlich, weil er sie gut verdauen kann.

Düngen, jäten, ackern

Damit sich die Fadenalge in seinem Unterwassergarten vermehrt, düngt der Fisch sie mit seinen eigenen Ausscheidungen, rupft andere Algen, die mit der Fadenalge konkurrieren, aus seinem Beet und schützt seine Ernte vor anderen Fischen, die auch etwas von den Fadenalgen haben möchten, erklärt Biologe Mario Ludwig.

Obendrein passt der Farmerfisch seine Gärtnerei an den CO2-Gehalt im Wasser an. Das haben Forschende der University of Adelaide in ihrer Studie herausgefunden. Je mehr Kohlendioxid im Meer ist, desto schneller wachsen die Fadenanlagen. Für den Farmerfisch bedeutet das: Er bewirtschaftet eine kleinere Fläche und jätet auch mehr Unkraut, hat später aber durch das schnelle Wachstum eine größere Ernte.

Korallen, die um Hilfe rufen

Für eine üppige Algenernte kommt auch die Blaupunkt-Korallengrundel gern zur Hilfe. Der bunte Fisch, der in den warmen Meeren lebt, befreit die Steinkoralle Acropora nasuta von einer bestimmten Haaralge. Diese überwuchert die Koralle nicht nur, sie sorgt mit ihrem Gift auch dafür, dass die Koralle ihre Nahrung schlechter aufnehmen kann.

Wenn die Koralle also merkt, die Alge könnte sie überwuchern, gibt sie chemische Botenstoffe ins Wasser und etliche Blaupunkt-Korallengrundeln kommen innerhalb einer Viertelstunde vorbei, um die Koralle von der Alge zu befreien – obwohl sich der bunte Fisch eigentlich nur von Plankton ernährt.

"Manchmal werden Fische, die über gärtnerische Fähigkeiten verfügen, zur Hilfe gerufen. Und dann helfen sie anderen beim Gärtnern."
Mario Ludwig, Biologe

Das Gift der Haaralge bringt dem Fisch – anders als der Koralle – aber einen Vorteil: Er wird selbst giftig. Weil sich das Gift aus den Haaralgen in seinem Hautschleim ansammelt, ist er für seine Fressfeinde ungenießbar.