Gerade erst hat die Verfilmung von Denis Villeneuve ganze sechs Oscars abgeräumt: Der Science-Fiction-Klassiker "Dune", die faszinierende Welt von Frank Herbert, hat nicht nur Filme, Serien, Musik und Brettspiele inspiriert - sondern auch Games. Spiele-Expertin Jana Reinhardt hat sich für uns in die Wüstenwelt begeben.

Dune spielt auf dem Wüstenplaneten Arrakis. Dort wird ein mysteriöser Rohstoff namens Spice abgebaut, den es nur dort gibt. Raumfahrt ist nur mit der Einnahme von Spice möglich. Astronauten erweitern ihr Bewusstsein damit, um den Raum zu falten und entfernte Planeten zu erreichen. Die Leidtragenden dieser Kolonisation sind die indigenen "Fremen", die eigentlich nur ihren Planeten begrünen wollen.

Reicher Fundus an Themen

Dune erschien in den 1968er-Jahren, in Zeiten von freier Liebe, bewusstseinserweiternden Drogen, Demonstrationen gegen Rassismus, für Feminismus und gegen den Vietnam-Krieg. All das findet sich auch in den sechs Büchern von Frank Herbert wieder, die nicht gerade leicht verdaulich sind, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin Jana Reinhardt.

"Selbst die Heldenfiguren als allmächtige Herrscher sind fehlbar und werden in Dune immer wieder hinterfragt."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin

Insgesamt ist Dune ein wahrer Fundus an Material für Autoren, Designer und auch Games-Entwickler. Denn es kommen weitere – sehr aktuelle – Themen dazu: Klimawandel, Wasserverknappung, Terraforming von Planeten, Genetik, politische Ränkespiele, eine Welt, in der Computer nach einem Krieg gegen die Roboter abgeschafft wurden. Die Heldenfiguren sind keine strahlenden Gutmenschen, sondern fehlbare Charaktere.

1992: "Dune II"

Blicken wir in der Gamesgeschichte weit zurück: "Dune II – Kampf um Arrakis" wurde 1992 von den Westwood Studios veröffentlicht – es gilt als wichtiger Meilenstein des Genres, selbst der Name "Echtzeitstrategie" wurde vom Entwickler Westwood geprägt.

Strategiespiele waren Anfang der 90er-Jahre noch totale Nischenprodukte, weil sie viel zu langsam waren, oft rundenbasiert wie bei einem Brettspiel und zu verkopft. Bei manchen Strategiespielen musste man sich vor allem durch Tabellen wühlen. Das änderte sich dann mit "Dune II" – und wenig später mit Spielen wie "Warcraft: Orcs & Humans" von Blizzard oder "Command & Conquer", ebenfalls von den Westwood Studios.

"Dune hat diverse politische Fraktionen, die um die Vorherrschaft kämpfen. Dazu der Abbau des Rohstoffes Spice plus ein Planet, auf dem es hochhausgroße Sandwürmer gibt – was könnte man Besseres mit dem Material machen als ein Strategiespiel zu entwickeln?"
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin

Noch heute definiert "Dune II", was wir von Echtzeitstrategien erwarten, sagt Jana Reinhardt. Die Formel lautet: Erkunden, Erbauen und Erobern – und das am liebsten in einer Geschwindigkeit, wo wir schnell Entscheidungen treffen müssen.

Der Nachfolger "Dune 2000" (1998) und deren Fortsetzung "Emperor: Schlacht um Dune" (2001) ermöglichten auch den Online-Multiplayer-Modus. Vor allem die Liveaction-Zwischensequenzen bleiben in Erinnerung.

2022: "Dune: Spice Wars"

Gerade ist ein brandneues Spiel erschienen, das – Jahrzehnte nach "Dune II" – ebenfalls aus dem Wüstenuniversum stammt. "Dune: Spice Wars" ist auch ein Echtzeitstrategiespiel, aber gespiced mit ein paar neuen Ideen. Aufgabe der Gamer ist es, das Spice zu ernten. Dafür müssen wir den Wüstenplaneten – den heimlichen Haupthelden von Dune – zuerst einmal mit unseren Ornithoptern erkunden. Das sind Libellen-artige Hubschrauber, in unserem Bannerbild oben ist einer zu sehen.

Vier mögliche Rollen

Haben wir ein Spice-Feld entdeckt und wollen es mit unseren Spice-Crawlern ernten, müssen wir Siedlungen übernehmen. Je nachdem, wen wir spielen, gehen hier schon die ersten Unterschiede los. Wir können nämlich eine von vier Fraktionen spielen.

  • Die "guten Kolonialisten": Wir spielen die Atreides und nehmen damit die Perspektive der Romanhelden ein. Sie sind fair, ehrenhaft, nobel – aber trotzdem immer noch Kolonialisten, die die Siedlungen wahlweise freundlich auf ihre Seite ziehen oder feindlich übernehmen können.
  • Die "bösen Kolonialisten": Den Harkonnen sieht man ihre Absichten direkt an. Die Unterdrückung von Siedlungen und Korruption kommen hier als Bonus zum Einsatz.
  • Die Perspektive der indigenen Bevölkerung: Erstmals können wir auch die Fremen spielen – und mit ihnen sogar auf Sandwürmern reiten.
  • Ebenfalls neu: Schmuggler, die in feindlichen Siedlungen Truppen verstecken können

Wie bei jedem Strategiespiel müssen wir auch in "Dune: Spice Wars" eine funktionierende Wirtschaft managen. Um Spice zu ernten, brauchen wir Leute und müssen Baumaterial in Fabriken herstellen. Weil wir in einer Wüste sind, ist außerdem Wasser essenziell – und um das alles bezahlen zu können, brauchen wir Spice.

Wenn dieser kleine Kreislauf nicht funktioniert, was gerade am Anfang schnell passiert, dann hilft es uns auch nicht, dass wir überall Spione eingesetzt haben, Informationen sammeln oder mit dem Gegner Handel treiben.

Bisher nur die Early Access Version

Der Wüstenplanet ist wesentlich präsenter als in früheren Spielen, sagt Jana Reinhardt: Sandstürme rauben dir deine Ornithopter, Sandwürmer snacken deine Armee, wenn du sie in der Wüste stehen lässt – oder sie verdursten, wenn du Wege falsch einschätzt.

"Wie das Spiel letztlich sein wird, steht noch nicht fest. Diese Woche kam es erst als Early Access auf der Downloadplattform Steam raus."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin

Was das neue Dune interessant macht, sind die Beschränkungen: Zum Beispiel können wir ohne Aufpreis gerade mal zwei Gebäude in jede Siedlung bauen – das ist nicht superinnovativ, erzeugt aber in Kombination mit dem Setting eine spannende Challenge, die auch nicht zu komplex ist.

Wie das Spiel letztlich sein wird, steht noch nicht komplett fest, sagt unsere Games-Expertin. Diese Woche kam es nämlich erst als Early Access auf der Downloadplattform Steam raus. Aktuell fehlen noch zwei sehr wichtigen Elemente:

  1. Die Kampagne, also kleine Story-Elemente, die in den früheren Teilen immer durch illustre Live-Action-Filmszenen auch ein wenig mehr über die Welt erzählt haben. Noch fehlt dem Spiel also jede Erklärung, was hier eigentlich los ist.
  2. Der Multiplayermodus – also das, was ein Echtzeitstrategiespiel so spannend und kompetitiv macht. Er soll erst in den nächsten 9-12 Monaten dazu kommen, wenn die Entwickler das Spiel und seine Elemente mit der Community besser ausbalanciert haben.