Aufstehen, Zähne putzen, arbeiten, einkaufen gehen, Streaming, schlafen – and repeat. Immerwährende Routine, puh. Haben wir eigentlich keinen Bock drauf. In Games kann das aber durchaus seinen Charme haben. Unsere Spieleexpertin Jana Reinhardt hat zwei gute Wiederholungs-Games für uns getestet.

Eine Zeitschleife, in der wir immer den gleichen Weg ablaufen. Oder: Stöcke und Steine sammeln, um der Vorhölle zu entkommen. – Das klingt stark nach Aussichtslosigkeit, Alltagsroutine und Redundanz. Eigentlich Dinge, denen wir eher entkommen wollen – gerade jetzt, in Pandemie-Zeiten. Aber das sind die Plots der Spiele Loop Hero und Valheim.

Gamification kann Wiederholungen spannend machen

Gamesexpertin Jana Reinhardt hat beide ausprobiert. Und sie meint: Beiden Spielen gelingt es immer wieder, dass du gar nicht merkst, dass du eigentlich immer das Gleiche machst. Das Zauberwort dabei: Gamification. Der Trick: ein Belohnungssystem, wie man es aus Rollenspielen kennt und ein spürbarer kontinuierlicher Erfolg.

Screenshot des Games Loo Hero von Four Quarters
© Screen Shot Loop Hero | Four Quarters/Devolver Digital

Fangen wir mit Loop Hero des Entwicklerstudios Four Quarters an: Hier hüllt ein mysteriöser Skelett-Magier die Welt in Schwärze und Vergessen. Von der Welt erhalten ist nur unser Lager, wo wir mit den übrigen Menschen im schwarzen Nichts gestrandet sind. Von hier aus laufen wir immer wieder den selben drögen kleinen Rundweg, erklärt Jana. Präsentiert ist das alles sehr retro-minimalistisch, mit wenig Farben und einem Sound, der eher so an C64 erinnert.

"Loop Hero ist ein richtiger Selbstläufer - und das meine ich wortwörtlich. Das Spiel spielt sich im Prinzip von allein: Der Held läuft im Kreis, Gegner werden automatisch bekämpft."
Jana Reinhard, Deutschlandfunk-Nova-Gamesexpertin

Was macht das Spiel aus? Nicht der Rundweg des Helden, der läuft ganz von selbst Kreis für Kreis für Kreis – automatische Gegner-Bekämpfung inklusive. Die Herausforderung besteht darin, die Landschaft drumherum zu gestalten. Wälder können wir zum Beispiel platzieren. Wälder sind toll, weil wir dort Holz sammeln können, mit dem wir unser Lager wieder aufbauen. Aber: Der Wald bietet auch Feinden Schutz.

Loop Hero: Immer wieder zurück auf Los

Wenn es an unserem Rundweg dann irgendwann zu voll ist, ziehen wir uns in unser Lager zurück, werkeln an unseren Ressourcen, bauen also unsere Stärke aus, um irgendwann den Skelettmagier zu besiegen. Und dann geht das Spiel in einer höheren Schwierigkeitsstufe von vorn los. Und zwar ohne alles, was wir uns bislang erarbeitet haben.

"Das Spielprinzip von Loop Hero ist ein einzigartiger Mix aus ganz vielen verschiedenen Spiel-Mechaniken und beliebten Genres."
Jana Reinhard, Deutschlandfunk-Nova-Gamesexpertin

Loop Hero vereint Elemente verschiedener Spieletypen, meint Jana – von Rollenspiel über Rogue-like bis zu Deckbuilder, vieles steckt da drin. Und das macht Spaß, findet unsere Gamesexpertin. Loop Hero flutscht, ist leicht zugänglich und spannend, so ihr Fazit. Mit einem einzigen Manko: dass wir immer wieder mit Nichts auf diesem öden Feldweg anfangen.

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Valheim: Die Vorhölle als schöne Routine

Auch in Valheim aus dem Hause Iron Gate Studio geht es um Wiederholungen. Und um nordische Mythologie. Der Plot: Als Krieger sind wir auf dem Schlachtfeld gefallen und werden in eine Art Vorhölle geschickt. Und hier durchleben wir den typischen Survival-Trott: Aufstehen, Holz und Steine sammeln, Jagen gehen, Essen kochen, neue Gegenstände produzieren, aufräumen, schlafen gehen, und wieder von vorn.

"Du hast das Gefühl, die Entwickler wollen dich so wenig wie möglich quälen. Stattdessen sollst du Spaß am Erkunden dieser wunderschönen Vorhölle haben."
Jana Reinhard, Deutschlandfunk-Nova-Gamesexpertin

Valheim verzichtet anders als andere Survival-Games darauf, das Spiel durch Härte unnötig in die Länge zu ziehen, erklärt Jana. Du kannst in dem Game nicht einmal verhungern, erläutert sie, und wenn du stirbst, verlierst Du nicht alles, sondern holst deine Sachen einfach an deinem eigenen Grabstein ab. Manchen Spielern sei das zu lasch, aber die Verkaufszahlen des Games deuten doch deutlich darauf hin, dass das Konzept auch aufgeht.

Screenshot aus dem Game Valheim von Iron Gate Studio
© Screenshot Valheim / Iron Gate Studio

Vielleicht liegt der Erfolg von Valheim auch an der Pandemie. Draußen geht nichts ab, da können wir auch entspannt unsere Zeit in der Vorhölle verbringen und es uns dort gemütlich machen. Jana selbst hat mit einem Freund dort nur eine Holzhütte renoviert, erzählt sie, andere Spielerinnen oder Spieler oder Gamer-Gruppen zimmern sich ganze Paläste – oder auch mal die Enterprise oder den Millennium Falcon aus Star Wars.

"Valheim ist auf jeden Fall eine Lebensaufgabe."
Jana Reinhard, Deutschlandfunk-Nova-Gamesexpertin

Bei Valheim ist das Spiel am Ende nur ein Gerüst, um selbst kreativ zu sein, so Jana, auch wenn man zum Kreativsein Ressourcen beschaffen muss. Das kostet Zeit. Aber wir können ohne Stress und Druck entscheiden, was wir in dieser riesigen Welt tun wollen – etwa ein Boot bauen, das Haus erweitern oder zusammen Trolle jagen. Das ist eine Seltenheit in Games, meint Jana, und gibt deshalb eine klare Empfehlung für Valheim.

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