Rechtsextreme versuchen auch in der Gaming-Szene Fuß zu fassen. Games, die sie selbst produzieren, haben oft keinen Erfolg. Daher streuen sie in den Chats und Räumen von Videospielen ihre Ideologien – und sind dabei möglichst laut.

Über 34 Millionen Menschen in Deutschland spielen laut dem Verband der Deutschen Games-Branche Videospiele. Darunter sind auch extreme Rechte. Sie nutzen die Gaming-Räume, um ihre Ideologie zu platzieren.

Eine kleine Gruppe, die schreit

Es ist eine laute Minderheit, betont Mick Prinz von der Amadeu-Antonio-Stiftung. Die kann ihre Narrative häufig aber unkommentiert auf den Videospiel-Plattformen verstreuen. Das sei das entscheidende Problem.

In der Gaming-Szene ist zum Beispiel die Plattform "Steam" sehr bekannt. Steam ist in erster Linie eine Vertriebsplattform für Videospiele, die Gamer*innen nutzen die Seite aber auch als Soziales Netzwerk. Sie erstellen Profile, Gruppen und können sich in Diskussionsräumen untereinander austauschen.

"Neonazis nutzen eigentlich immer da Räume, wo man ihnen die Tür nicht vor der Nase zuschlägt."
Mick Prinz, Projektleiter, Amadeu-Antonio-Stiftung

Problem: unmoderierte Diskussionsräume

Im vergangenen Jahr waren nach eigenen Angaben der Plattform täglich etwa 69 Millionen Menschen dort in Videospielen unterwegs. Ihnen stehen in den Diskussionsräumen 26 Moderator*innen gegenüber, die die Gespräche auf der Plattform im Blick behalten sollen, sagt Mick Prinz. "Und deswegen bleiben zum Beispiel rassistische Beleidigungen und auch strafrechtlich relevante Inhalte an anderer Stelle relativ unberührt oder werden in seltenen Fällen angegangen."

Narrative streuen, vernetzen, mobilisieren

Die Rechtsextremen nutzen die Gesprächsräume der Videospiele also für ihre Narrative und Verschwörungserzählungen. Über die Gaming-Räume vernetzen sie sich aber auch und mobilisieren andere – innerhalb und außerhalb ihrer eigenen Gruppe. Mick Prinz erzählt zum Beispiel von Chatgruppen, die rechtsextreme Attentäter oder die Wehrmacht verehren.

"Sie wollen ihre Narrative streuen, um Schritt für Schritt die Grenze des Sagbaren zu verschieben."
Mick Prinz, Projektleiter, Amadeu-Antonio-Stiftung

Auf diesem Weg versuchen die extremen Rechten in der Gaming-Szene Fuß zu fassen. Über eigene Videospiele mit rechtsextremer Propaganda sei ihnen das kaum gelungen – obwohl es immer mal wieder Versuche gab.

Was es öfter gibt als rechte Videospiele sind Modifikationen von bereits bestehenden Spiele. Die wandeln die rechten Gamer*innen zum Beispiel zu neonazistischen Strategiespielen ab, in denen die Gamer so tun, als würden sie zur Waffen-SS gehören, erzählt Mick Prinz.

Gaming-Szene zeigt Haltung

Parallel zu dieser Entwicklung würden sich innerhalb der Gaming-Szene mehr Gegenbewegungen bilden, die die Narrative Rechtsextremer aufdecken und auch allgemein auf Diskriminierung hinweisen. Neben Organisationen, Stiftungen und Bildungseinrichtungen sind hier auch bekannte Influencer*innen aus der Szene aktiv.

"Wir sehen, dass auch immer mehr bildungspolitische Akteur*innen diese laute Minderheit wahrnehmen und sich glücklicherweise auch dagegen stellen."
Mick Prinz, Projektleiter, Amadeu-Antonio-Stiftung