Manche Games sind so schlecht, dass sie schon wieder Kultstatus haben. So auch das Spiel "Deadly Premonition", dessen Nachfolger nun erschienen ist.

Es gibt Filme, Bücher oder auch Games, die einfach so schlecht sind, dass man sie schon wieder richtig gut findet. Auch in der Game-Szene werden einige trashige Spiele mittlerweile als Kultgames gefeiert - manchmal auch nur aufgrund ihrer unfreiwilligen Komik, sagt Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin Jana Reinhardt. Insbesondere 3D-Spiele wie "Final Fantasy 7" können schnell veraltet und dadurch oft auch skurril wirken, weil sich dieses technikbasiertes Medium so schnell weiterentwickelt.

Für Jana Reinhardt bleibt das beste Trashspiel immer noch das gleichnamige Game zum Film von Steven Spielbergs "E.T." aus dem Jahr 1983. Das Spiel war so schlecht, dass der Videospiel-Hersteller Atari Millionen von Kopien in der Wüste von El Paso verscharren ließ.

"Games haben es als Technik-basiertes Medium generell nicht leicht - gerade viele 3D-Spiele sind einfach schnell gealtert und sehen dadurch auch ein bisschen skurril aus."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin

Ein trashiges Kultspiel, dass es sogar in das Guinessbuch der Rekorde geschafft hat, da es das am meisten polarisierende Horror-Survival-Game aller Zeiten sein soll, ist das zehn Jahre alte, japanische Game "Deadly Premonition". Nun ist sein Nachfolger erschienen. Für Games-Expertin Jana Reinhardt kann das Spiel aber nicht mit seinem Vorgänger mithalten. Denn trotz Performance-Einbußen hat der erste Teil vor allem eines: Viel liebe zum Detail und unvergessliche Dialoge.

Charmante Kopie von "Twin Peaks"

Beide Teile von "Deadly Premonition" wurden von den Studios White Owls und Toybox entwickelt und tragen vor allem die Handschrift des Autors und Game Designers Hidetaka Suehiro. Obwohl er selbst Japaner ist, konzipiert er seine Spiele nur für den westlichen Markt. Der trashige Charakter des Spiels entsteht deshalb vor allem durch die "japanische, oft Klischeehafte" Sichtweise auf Amerika, sagt Jana Reinhardt.

Die große Inspirationsquelle des Autors sind Filme, was auch in "Deadly Premonition" nicht nur in den Dialogen deutlich wird, sondern auch im Look. Das Spiel kopiert "schamlos" David Lynch’s Serie Twin Peaks: Es gibt einen FBI-Agenten, der in einer verschlafenen amerikanischen Kleinstadt, Le Carré, einen Mord aufklären muss und in mysteriöse Parallelwelten abtaucht.

Screenshot aus dem Game "Deadly Premonition 2"
© Deadly Premonition 2
Agent Francis York Morgan und seine Begleiterin Patricia

Schlecht genug, um wieder beliebt zu sein

Damals wurde der erste Teil vor allem durch seine "sensationell schlechte Steuerung, veraltete Grafik und roboterhaften Animationen" bekannt. Gleichzeitig waren viele Fans und Kritikerinnen aber auch von der absurden Mischung aus albernem Humor, Mord, Zombiehorror, vielen Charakteren und deren Dialogen begeistert. Vor allem den Hauptcharakter, FBI Special Agent Francis York Morgan, schlossen viele Gamer in ihr Herz.

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Bis heute hat das Spiel trotz seiner schlechten Qualität viele Liebhaberinnen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum nun das Nachfolger-Game, "Deadly Permonition 2: A Blessing in Disguise" erschienen ist. Der zweite Teil des Kult-Games spielt im Jahr 2019 und behandelt einen Fall, der eigentlich schon vor 14 Jahren von FBI-Agent Francis York Morgan aufgeklärt wurde.

Die Liebe zum Detail fehlt

Der Horrorcharakter des Games entsteht in den Deadly Premonitions, also den tödlichen Vorahnungen, in die man als Gamerin eintaucht. Für Jana Reinhardt hätten die Entwickler die Grusel-Kampf-Szenen jedoch weglassen können und stattdessen mehr Detail-Arbeit in die Stadt Le Carré stecken sollen.

"Der Grusel-Kampf wirkt leider wirklich wie Trash, den hätten die Entwickler ganz gut auch weglassen können. Ich wünschte die Energie wäre eher in mehr Details der Stadt Le Carré geflossen."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin

Deshalb kommt das Nachfolger-Game für Jana Reinhardt auch nicht ganz an seinen Vorgänger heran. Denn, was den ersten Teil angezeichnet hat, war der Detailreichtum der amerikanischen Kleinstadt, die Liebe zum Kitsch und zu Filmen, die auch in den ausgefeilten Dialogen und Tagesabläufen der einzelnen Figuren immer wieder deutlich wurde. Zudem hat das neue Spiel "richtig krasse Performance-Probleme" und einige Aufgaben, die sich eher nach Zeitverschwendung anfühlen, resümiert Jana Reinhardt.

"Was den ersten Teil letztlich eigentlich so kultig macht, sind seine Ambitionen: Da hat ein Autor mit seinem Team und ganz viel Liebe zu Kitsch, Twin Peaks und Filmen eine amerikanischen Kleinstadt aufgebaut.“
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin

"Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise", das für Nitendo Switch erschienen ist, ist deshalb ein solides Spiel mit einem spannenden Mordfall, das sich für alle anbietet, die trashigen Games gegenüber aufgeschlossen sind.