Mesut Özil darf in der chinesischen Version von Pro Evolution Soccer nicht mehr mitspielen. Seine Figur wurde aus dem Spiel entfernt. So lokalisiert die Spieleindustrie und so zensiert China.

Wegen seiner Kritik an der Uiguren-Verfolgung in China ist der deutsche Ex-Fußballnationalspieler Mesut Özil aus der chinesischen Version von Pro Evolution Soccer gelöscht worden. Das chinesische Unternehmen NetEase begründete das Entfernen von Özils Figur aus dem Fußballspiel mit dessen so wörtlich extremen Aussagen über China. Der japanische Entwickler des Spiels, Konami, hat sich bisher nicht dazu geäußert (Stand 20.12.2019).

André Weßel überrascht dieser Schritt nicht. Der Medienwissenschaftler und Politologe hat vergleichbare Entscheidungen bereits in der Vergangenheit beobachtet. Er erinnert daran, dass chinesische Sponsoren und TV-Partner sofort die Zusammenarbeit mit den Houston Rockets beendet haben, als sich der Manager mit den Protestierenden in Hongkong solidarisierte.

"Das überrascht mich im konkreten Fall nicht, weil die Volksrepublik China öfter empfindlich reagiert."
André Weßel, Institut für Medienforschung und Medienpädagogik, Technische Hochschule Köln

Zensur findet bei Spielen in Abstufungen und auf unterschiedlichen Ebenen statt, sagt André Weßel. Apple zensiert beispielsweise das Indie-Spiel "Phone Story" Der Konzern hat es aus seinem App-Store entfernt. Es beschäftigt sich auf satirische Weise mit den dunklen Seiten der Smartphoneproduktion – Stichwort Coltan – und den Produktionszuständen des iPhones beim Hersteller Foxconn.

Mal trinkt Super Mario, mal nicht

Grundsätzlich unterscheide André Weßel zwischen Zensur und Marktanpassung. Letztere nennt man auch Lokalisation. Bevor ein Spiel auf den Markt kommt, werden die kulturellen Gewohnheiten des jeweiligen Marktes berücksichtigt, für den größtmöglichen ökonomischen Erfolg des Titels. André Weßel hat beobachtet, dass für die USA oft sexualisierte Inhalte entfernt, für Europa Gewaltdarstellungen entschärft und speziell für den deutschen Markt, Bezüge zum Nationalsozialismus verdeckt werden.

Er beschreibt, dass für die Figur Super Mario in dem Supernintendo-Spiel "Super Mario Kart" zwei Jubelanimationen programmiert wurden. In der Variante für den asiatischen Markt trinkt Super Mario Sekt nach dem Rennsieg, in der Version für den amerikanischen Markt jongliert er nur mit der Flasche.

In Schanghai wird zensiert

In China gibt es allerdings eine zentrale Kontrollinstitution, die Spiele nach der Produktion prüft und darüber entscheidet, ob sie für den chinesischen Markt zugelassen werden: das Kulturdezernat von Schanghai.

"Jedes Spiel, das in China erscheinen soll, muss erst dem Schanghaier Kulturdezernat zur Begutachtung vorgelegt werden."
André Weßel, Institut für Medienforschung und Medienpädagogik, Technische Hochschule Köln