Mitten in der Ostsee sprudelt Gas aus den Nord-Stream-Pipelines, die Russland und Deutschland verbinden. Es soll drei Lecks geben – und die könnten Folge eines Sabotageaktes sein.

Vermutungen, dass die Pipelines mutwillig beschädigt wurden, kamen am Dienstag (27.09.) von den Ostsee-Anrainerstaaten Polen, Schweden und Dänemark. Betroffen sind die Ostseepipelines Nord-Stream 1 und 2. Durch beide kommen aktuell keine Gaslieferungen.

Die EU-Kommission gab an, dass sie mit der dänischen Regierung über die "Sabotageakte" gesprochen habe, so Jakob Vogel aus unserer Nachrichtenredaktion. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen drohte den Tätern mit harten Konsequenzen. Auf Twitter schrieb sie: "Jede vorsätzliche Störung der aktiven europäischen Energie-Infrastruktur ist inakzeptabel und wird zu der schärfsten möglichen Antwort führen."

In Dänemark sollen Explosionen registriert worden sein

Die Vorwürfe werden von den Ländern untermauert. Die schwedische Regierung will Hinweise auf zwei Explosionen in der Nähe der Pipelines haben. Diese sollen insgesamt drei Lecks in die Gasleitungen gerissen haben. Die dänische Regierung unterstützt die Hinweise auf Sabotage: Es sollen mehrere Explosionen in der Nähe der Pipelines binnen kurzer Zeit registriert worden sein.

"Die schwedische Regierung sagt, dass sie Hinweise auf zwei Explosionen in der Nähe der Pipelines hat."
Jakob Vogel, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Auch der Pipeline-Betreiber Nord Stream schließt einen Unfall aus, so Jakob Vogel. Ein Sprecher in Moskau sagte, dass die Leitungen so verlegt seien, dass durch einen einzelnen Unfall eigentlich nicht beide Pipelines gleichzeitig beschädigt werden können.

Auch Russland und Deutschland äußerten sich zu den Gaslecks. Die Pipelines verbinden die beiden Länder. Doch bislang hält man sich auf beiden Seiten zurück, was die Bewertung der Lecks angeht, so Jakob Vogel. Russlands Regierungssprecher Dimitri Peskow sagte: "Stand jetzt können wir nichts ausschließen. Offensichtlich sind Röhren beschädigt. Aber warum können wir erst sagen, wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind."

Zurückhaltung aus Berlin und Moskau

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck äußerte sich bei einer Veranstaltung von Spitzenverbänden der Wirtschaft am Dienstag (27.09.) zurückhaltend. Es brauche Aufklärung statt Spekulation. Und weiter: "Aber die deutsche Energieversorgung ist durch diese Vorkommnisse nicht beeinträchtigt und auch sicher."

"Eine Spekulation über die Ursachen verbietet sich so lange wie die Aufklärung nicht erfolgt ist."
Robert Habeck, Bundeswirtschaftsminister am Dienstag bei einer Veranstaltung von Spitzenverbänden der Wirtschaft

Andere deutsche Politiker*innen zeigten sich weniger zurückhaltend. Für manche stehe fest, dass die Lecks quasi als Angriff und Teil der hybriden Kriegsführung Russlands zu sehen seien, so Jakob Vogel. Die möglichen Sabotageakte sollten im Rahmen des Krieges gegen die Ukraine den westlichen Regierungen verdeutlichen, wie verletzlich ihre kritische Infrastruktur sei. Außerdem sollen die Lecks die Bevölkerungen im Westen verunsichern.

Diese Annahme äußerte zum Beispiel der CDU-Verteidigungsexperte Roderich Kiesewetter gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auch die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestags, die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann vermutet, dass Russland mit solchen Anschlägen die westlichen Märkte erschüttern will.

  • Kurz und Heute
  • Moderatorin:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Jakob Vogel, Deutschlandfunk Nova