Staatschefs und Politiker, aber auch Vereine, Gewerkschaften oder Unternehmen – wer einen Termin mit Angela Merkel hat, macht ihr ein Präsent. Dabei kommen ziemlich skurrile Geschenke zusammen. Deutschlandfunk Nova Reporterin Ilka Knigge hat sich einige Geschenke angesehen und recherchiert, was mit den Geschenken später passiert.

"Mit meiner größten Verehrung für Angela Merkel, die wichtigste Dirigentin der Weltpolitik. Ihr Kent Nagano". Diese Zeile steht als Widmung in dem Rahmen, in dem Angela Merkels Abschiedsgeschenk der CDU prangt: Der Taktstock, mit dem Kent Nagano das Konzert beim G20-Gipfel in der Elbphilharmonie dirigiert hat. Kent Nagano ist ein bekannter US-amerikanischer Dirigent, Angela Merkel ist Klassik-Fan und bekommen hat sie den Taktstock als Geschenk von ihrer Partei zum Abschied als Vorsitzende. Im Netz wird seitdem diskutiert: Ist das Geschenk richtig gewählt? Persönlich und bedeutend? Oder erinnert man damit nicht auch an die Krawalle rund um den G20-Gipfel in Hamburg?

Ein roter Stöckelschuh von der IG-Bau

Es ist natürlich nicht das erste Geschenk, das Angela Merkel in ihrer Zeit als Bundeskanzlerin und Parteivorsitzende bekommen hat: Von der IG Bau hat die Bundeskanzlerin zum Beispiel mal einen roten Miniatur-Stöckelschuh bekommen. Es gibt Fotos, wie Merkel diesen Schuh betrachtet – interessiert bis befremdet. Er ist rot – in Anlehnung an das IG-Bau-Logo – und an der Ferse gibt es eine Aufschrift: "Fuß in der Tür!". Das soll eine Anspielung auf die Rolle der Gewerkschaft sein. Der Schuh hat übrigens auch eine Funktion - er kann als Türstopper eingesetzt werden.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat Bundeskanzlerin Angela Merkel kurz vor der WM in diesem Jahr ein Merkel-Nationaltrikot geschenkt, mit der Nummer vier. Das spielt darauf an, dass Deutschland viermal Weltmeister geworden ist, und Merkel zum vierten Mal zur Kanzlerin gewählt wurde. Die Junge Union hat Merkel vor zwei Monaten Wandersocken und eine Regenjacke geschenkt. Die Kanzlerin hat aber auch schon alle möglichen Ketten bekommen, Silberschalen, Schmuckkästchen, Vasen, Teppiche und noch viel mehr.

Wertschätzung anstatt politischer Aussagen

Bei Staatsgeschenken wird immer versucht, möglichst keine politischen Aussagen zu machen, gleichzeitig eine Art Wertschätzung und Respekt zu transportieren - aber auch, etwas aus dem eigenen Land mitzubringen. Das kann zum Beispiel Kunst sein. Die ist nicht unbedingt politisch, zeigt aber einen Teil der Kultur. Manchmal wird es auch persönlicher: Angela Merkel hat Nicolas Sarkozy nach der Geburt seines Kindes zum Beispiel einmal einen Teddybär geschenkt.

Was mit den Geschenken nach dem offiziellen Foto für die Presse passiert, das hängt sowohl von der Art des Geschenks ab, als auch davon, wer geschenkt hat.

Staatsgeschenke, so erklärt Judith Krause vom Haus der Geschichte in Bonn, sind immer Geschenke an den Amtsträger - sie gehen nicht in persönliches Eigentum über.

"Das Geschenk richtet sich an den Amtsträger - und solange beispielsweise Angela Merkel Bundeskanzlerin ist, ist es ihr Geschenk. Aber sie gehören dann dem Staat, deshalb geht das nicht in ihr persönliches Eigentum über."
Judith Krause, Haus der Geschichte in Bonn

Bei Geschenken, die persönlich an Angela Merkel gerichtet sind, ist das etwas anderes. So ist das dann meist auch mit Geschenken der Partei oder von Verbänden. Die sind auch oft nicht so wertvoll wie beispielsweise eine antike Schale. Die Regenjacke und die Wandersocken der Jungen Union wird Merkel also ziemlich sicher behalten haben.

Einige Staatsgeschenke werden später versteigert

Was in Merkels Eigentum übergeht und was nicht, hängt außerdem vom Preis ab. Bei geringen Summen darf sie Geschenke mit nach Hause nehmen. Teure Präsente gehen in das Eigentum des Staates über. Sie werden inventarisiert in einer der Asservatenkammern. Einige davon werden später auch versteigert. Und zwar auf der Website der VEBEG, des Verwertungsunternehmens des Bundes. Da wurden letztes Jahr zum Beispiel ein Beduinen-Krummdolch aus dem Oman, Manschettenknöpfe aus Georgien oder ein Mini-Kamelsattel versteigert. Die Einnahmen fließen in die Staatskasse.

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