Den meisten fällt die Dauerbeschallung gar nicht mehr auf. Hintergrundmusik soll uns manipulieren, zum Kaufen anregen oder beruhigen.

Die Musik im Hintergrund versetzt uns in die richtige Stimmung und macht uns Laune einzukaufen, schneller zu arbeiten oder beruhigt uns in Fahrstühlen oder in Warteschleifen, die endlos scheinen. Diese Gebrauchsmusik ist manipulativ und wird seit rund 80 Jahren professionell für jede Gelegenheit produziert. Die Firma Muzak hat die Stimmungsmusik für Fahrstühle, Kaufhäuser oder Hotels kreiert und weltweit vertrieben. Der Firmenname steht heute synonym für die Hintergrundmusik.

Inzwischen gibt es 1,5 Millionen Stücke dieser funktionellen Musik, die sich bei Popmelodien bedient. Allein vom Beatles-Stück "Yesterday" gibt es 500 verschiedene Versionen. Weil aber Fahrstuhl- und Kaufhausmusik eher Musikgenres sind, die eine negative Konnotation haben, und irgendwann Muzak als Pendant dazu wahrgenommen wurde, änderte 2013 die Firma ihren Namen. Heute verkauft sie Stimmungen und nennt sich Mood Media.

Audio-Architekten

Die Stimmungsmacher nennen sich heute "Audio-Architekten" und kreieren für Hotelketten oder Modemarken spezielle Playlisten - ihren eigenen Sound. Gegen die Zwangsbeschallung gibt es mehrere Initiativen. Der Soundexperte Uwe Walkner beispielsweise hat eine eigene Firma gegründet, weil ihn die schlecht zusammengestellte Musik in Restaurants oder Bars genervt hat. Seither beliefert er Firmen mit seinen maßgeschneiderten Musikkonzepten.

Ganz radikal fordert die österreichische Kampagne Beschallungsfrei seit 2008 "Zonen ohne Hintergrundmusik". Öffentliche Räume, Betriebe, Geschäfte oder Restaurants, die auf Hintergrundmusik verzichten, werden als "Beschallungsfrei" mit einem eigenen Symbol gekennzeichnet. Argument der Initiatoren: Musik ist wunderbar - aber muss sie überall sein? Weil wir die Ohren nicht verschließen können, müssen wir hören, auch Musik, die uns nicht gefällt. Wir sollten eher das Recht haben, selbst zu entscheiden, wann wir welche Musik hören wollen.

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