Was tun, wenn die schwangere Frau nebenan plötzlich in die Knie sinkt und heftig stöhnt, weil ihr Baby genau in diesem Moment auf die Welt kommen möchte? Eine Hebamme gibt ein paar praktische Tipps.

Bei manchen Schwangeren kann eine Geburt ganz plötzlich losgehen oder eine sehr schnellen Verlauf nehmen. In der Fachsprache heißt das Sturzgeburt. Die kann die Frau auch unterwegs in Bus und Bahn überraschen.

Die Frau, die in Frankreich während des Streiks im Zug entbunden hat, hat aber schon starke Wehentätigkeit gehabt und konnte auch nur noch schwer gehen. In einem solchen Fall kann es noch dauern, bis das Baby auf die Welt kommt, oder auch recht schnell gehen - wie es dann auch der Fall war.

Platzt die Fruchtblase, muss das noch nicht bedeuten, dass es gleich mit der Geburt losgeht, sagt die Hebamme Susanne Rinne-Wolf. Wenn der Kopf des ungeborenen Kindes noch nicht fest im Becken sitzt, dann rät die Hebamme, soll sich die Frau auf den Boden legen. Ist der Kopf aber schon tief im Becken, dann ist es egal, ob sie steht, sitzt oder liegt. Wie weit der Kopf bereits im Becken liegt, kann nicht von außen, sondern wird bei der vaginal Untersuchung festgestellt.

Geburt ist sehr intim - Zurückhaltung gefragt

Als Passagier oder Passagierin sollte man sich zurückhalten, sagt Susanne Rinne-Wolf. Es reiche eine Person, die die werdende Mutter unterstützt und begleitet. "Manchmal reiche es schon, der werdenden Mutter die Hand zu halten", sagt die Hebamme.

"Beides ist unglaublich intim, viele der ausgeschütteten Hormone sind ähnlich. Wenn Leute Sex haben, wollen sie ja auch in der Regel nicht 30 Leute um sich rumstehen haben, die alle anfeuern."
Susanne Rinne-Wolf, Hebamme

Dass die öffentlichen Verkehrsmittel nicht besonders sauber oder steril sind, sieht Susanne Rinne-Wolf als das kleinere Problem. Schwieriger sei die öffentliche Geburt. Gebären sei vergleichbar mit Sex haben, denn beides sind sehr intime Momente.

Baby warm halten - Nabelschnur abbinden

Wenn das Kind da ist, ist es vor allem wichtig, das Kind warm zu halten, in dem man es zum Beispiel in eine Jacke wickelt, sagt Susanne Rinne-Wolf. Wenn man das Kind unbedingt abnabeln wolle, könne man einen Schnürsenkel nutzen, weil sie nicht so scharf sind und nicht einschneiden.

"Einfach einen festen Knoten mit einem Schleifchen um die Nabelschnur setzen und ein gutes Stück Abstand zum Bauch des Kindes lassen und dann Hände weg und nichts abschneiden."
Susanne Rinne-Wolf, Hebamme

Das Kind aus dem Zug in Paris wird wohl eine ganze Weile kostenlos die Pariser Bahn nutzen können. Es kam nämlich schon öfter vor, dass in Paris Kinder in Zügen zur Welt gekommen sind. Die dürfen dann in der Regel bis zu ihrem 25. Geburtstag gratis mitfahren.