Ihr findet, für eure Arbeit steht euch mehr Geld zu? Dann solltet ihr mit euren Vorgesetzten darüber verhandeln. Wir haben die passenden Argumente für euer Gehaltsgespräch.

Wenn es darum geht, über das eigene Gehalt zu verhandeln, kann einem das durchaus mal unangenehm sein. Oft nehmen wir uns vor, das Gespräch mit unseren Vorgesetzten zu suchen, trauen uns dann aber doch nicht und ziehen unseren Plan nicht durch.

Das ist verständlich, sagt Malte Lübke vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Schließlich sei eine Gehaltsverhandlung immer auch wie ein Tanz auf einem Ei. Der Experte für Tarif- und Einkommensanalysen rät dazu, die Gehaltsverhandlung eher als Gespräch zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu sehen, in dem beide Seiten gemeinsam an einer Lösung für ein Problem arbeiten. Eine lösungsorientierte Haltung sei besser als ein konfrontativer Standpunkt.

Argumente vorbereiten

Um erfolgreich zu verhandeln, brauche es daher vor allem Argumente, sagt Malte Lübke. Als Arbeitnehmer müsse man auf zwei Fragen vorbereitet sein: Warum sollte euch der Arbeitgeber mehr zahlen? Und: Was ist eine realistische Gehaltsforderung?

"In einer Verhandlung ein bisschen mehr zu fordern, ist keine schlechte Strategie, sie sollte aber realistisch sein."
Malte Lübke vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung

Um eine realistische Gehaltserhöhung zu fordern, müsst ihr erst ein bisschen recherchieren. Wenn euer Arbeitsverhältnis durch einen Tarifvertrag zwischen eurem Chef und der Gewerkschaft geregelt ist, dann sind Gehaltssteigerungen meist schon ausgehandelt. Das bedeutet: In bestimmten, festgelegten Zeitabschnitten sollte sich die Gehaltssumme automatisch erhöhen.

Ist die Arbeit nicht tariflich geregelt, könnt ihr individuell verhandeln. Allgemein gilt: Mehr Erfahrung ist ein Grund für mehr Geld. Habt ihr zum Erfolg des Team beigetragen, mehr Verantwortung übernommen oder weitere Aufgaben, zählt das auch. Entscheidend für das Gehalt seien zudem die eigene Qualifizierung, die Arbeitsbranche, die Größe des Unternehmens und auch der Wohnort beziehungsweise das Bundesland.

Gehaltsvorstellung muss realistisch sein

Statt Kolleginnen und Kollegen nach ihren Gehältern zu fragen, könnt ihr eines der folgenden Tools benutzen:

  • Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit: Hier sind die Durchschnittsgehälter nach Bundesländern aufgeteilt.
  • Tarifarchiv des WSI: Die tariflichen Lohn-, Gehalts- und Entgelttabellen aus dem aktuellen Jahr können zum Ermitteln eines Richtwerts dienen.
  • Gehaltscheck von lohnspiegel.de: Hier könnt ihr euer Gehalt mit dem durchschnittlichen Gehaltssatz in eurem jeweiligen Beruf abgleichen.

Abgesehen davon sei es bei der Gehaltssumme immer entscheidend, dass sie realistisch ist, sagt der Experte für Einkommensanalysen. Sie sollte eine faire Gegenleistung für eure Arbeit sein. Ist das der Fall, sei jeder Zeitpunkt der richtige für eine Gehaltsverhandlung, erklärt Malte Lübke. Wichtig ist nur, das Vorhaben auch umzusetzen.

"Es ist immer der richtige Zeitpunkt, sein Gehalt neu zu verhandeln. Das Problem ist oft: Man muss es dann auch machen."
Malte Lübke vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung