Unser Gehirn denkt in Bildern. Wenn wir unser räumliches Denken trainieren, werden wir nicht nur darin bessern, sondern unsere Sprache verbessert sich ebenfalls. Diese Erkenntnis kann uns auch beim Lernen helfen.

Es klingt fast schon wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei, mit der sich Forschende der Georgetown-Universität in ihrer Studie beschäftigt haben. Sie haben untersucht, was im Gehirn zuerst kommt: räumliches Denken oder Sprache.

Tatsächlich gibt es in der Psychologie, Philosophie und Linguistik dazu gerade eine heiße Debatte, sagt Neurowissenschaftler Henning Beck. Er selbst findet die Studie so spannend, dass er sie zu seinen Top drei der interessantesten Studien der vergangenen zwölf Monate zählt.

Bilder im Kopf formen Sprache

Laut Studie denken wir erst in Mustern – also räumlich – und danach bilden wir erst Wörter. Somit könnten wir über das räumliche Denken auch unsere Sprache verbessern. Das könnte helfen, besser mit Worten umzugehen und leichter logische Schlüsse zu ziehen.

"Die Sprache des Gehirns sind nicht Wörter. Bevor du ein Wort im Kopf hast, scheinst du irgendwie räumlich oder in Bildern zu denken."
Hennig Beck, Neurowissenschaftler

Für die Studie haben die Forschenden rund 350 Schüler*innen an fünf Highschools begleitet, die über zwei Semester an einem besonderen Schulprogramm über Raumerziehung teilgenommen haben. In dem Programm haben die Schüler*innen unter anderem gelernt, wie sie geografische Datensätze lesen und auswerten. Sie sollten Probleme räumlich lösen anstatt mit Sprache und Fragestellungen zu Städteplanung zeichnerisch umsetzen oder bildlich darstellen.

Dabei hat sich gezeigt, dass die Regionen im Gehirn, die für das räumliche Denken zuständig sind, auch die Regionen unterstützen, die für unsere Sprachfähigkeiten verantwortlich sind. Beim räumlichen Denken entwickeln wir dreidimensionale Muster in unserem Kopf, so der Neurowissenschaftler, ähnlich ist es bei einem Satz, der sich auch aus bestimmten Mustern – wie Grammatik – zusammensetzt.

Besser erinnern mit räumlichem Denken

Die Erkenntnisse aus der Studie helfen uns auch beim Lernen. Wenn wir uns beispielsweise an unsere Notizen für eine Klausur erinnern möchten, hilft es, die Worte durch geometrische Figuren wie Pfeile oder Kreise miteinander zu verknüpfen. "Das führt dazu, dass das Gehirn es quasi als Bild, als etwas Räumliches ablegen kann", erklärt Henning Beck.

Wenn uns die Worte auf dem Notizzettel nicht mehr einfallen, könnten wir uns aber an die geometrische Figuren erinnern und so rekonstruieren, was auf dem Zettel steht. Eine Zusammenfassung mit ein paar zusätzlichen Pfeilen und Kreisen hilft uns also mehr bei der Erinnerung als die reine Mitschrift.

"Das Gehirn speichert kein Wort. Worte wachsen ja auch nicht auf Bäumen, sondern wir denken sie uns aus. Und das machen wir, indem das Gehirn erst mal diese Räumlichkeit vorausschaltet."
Henning Beck, Neurowissenschaftler