Noch nie gab es in Deutschland so viele Aktionärinnen und Aktionäre. Vor allem immer mehr jüngere Menschen setzen auf diese Form der Geldanlage: Den stärksten Anstieg gab es bei den Unter-30-Jährigen.

Im Durchschnitt über 12,89 Millionen Menschen – und damit so viele wie nie – haben 2022 Geld in Aktien, Aktienfonds oder Indexfonds investiert. Die Zahlen stammen vom Deutschen Aktieninstitut (DAI), einer Lobbygruppe, die Deutschland als Finanzstandort attraktiver machen will. Seit 2020 rechnet die Gruppe auch Aktionär*innen aus dem Ausland in ihre Statistik mit ein, die einen Wohnsitz in Deutschland haben.

Private Altersvorsorge

Der Hauptgrund, auf Aktien zu setzen, sei für viele Menschen wahrscheinlich die private Altersvorsorge, sagt Bo Hyun Kim vom ARD Börsenstudio. Wir seien mit dem Zukunftsszenario "Eure staatliche Rente wird nicht ausreichen!" aufgewachsen. Dementsprechend sei das Bewusstsein da, sich kümmern zu müssen. Und 70 Prozent der jungen Erwachsenen halten hier offenbar Aktien für eine vernünftige Geldanlage.

"Sieben von zehn jungen Erwachsenen halten Aktien für eine gute Altersvorsorge und denken, das kann sie dann vielleicht doch davor schützen, im Alter zu verarmen."
Bo Hyun Kim, ARD Börsenstudio

Vor ein paar Jahren waren Aktien für viele Menschen noch fast so eine Art Glücksspiel, sagt Bo Hyun Kim. Doch die Skepsis gegenüber der Börse – das negative Image und die Überzeugung, dass das eine sehr unsichere Geschichte ist – habe sich in Deutschland durchaus abgemildert.

Aktien statt Immobilien

Auch deshalb, weil zum Beispiel Immobilien, die als sichere Geldanlage gelten, heutzutage aufgrund hoher Zinsen und hoher Preise einfach deutlich schwerer zu kaufen sind. Für viele Menschen seien Immobilien nicht mehr realistisch, Aktien hingegen schon.

"Für viele Menschen sind Immobilien nicht mehr realistisch. Aktien sind realistisch."
Bo Hyun Kim, ARD Börsenstudio

Dass die Unter-30-Jährigen mehr investieren, heißt zwar nicht automatisch, dass jetzt auch alle de facto mehr Ahnung vom Thema Geldanlage haben. Trotzdem habe sich in diesem Bereich viel getan, sagt Bo Hyun Kim. Wir redeten einfach viel mehr über Geld, das sei kein Tabuthema mehr.

Immer mehr Finfluencer*innen

Außerdem sei es noch nie so einfach gewesen, an Infos zum Thema zu kommen: Auf Insta, Youtube, Twitter und Co. gebe es inzwischen sehr viele Finfluencer*innen, also Finanz-Influencer*innen, die den ganzen Tag Content dazu anbieten und Themen wie Börse, Aktien oder ETF in knapp einer Minute erklären. Viele Menschen würden in den Sozialen Medien auch ganz offen ihre Geschichte teilen und erzählen, wann und wo sie was und warum investiert haben. Dieser Informationsfluss sei viel größer als noch vor 15 Jahren.

Was den Anteil der Bevölkerung angeht, der Geld an der Börse investiert, steht Deutschland international auf Platz neun, sagt Bo Hyun Kim. Länder wie die USA, Niederlande, Japan, Schweden oder Finnland führen diese Statistik an. Das habe historische Gründe. Vor allem der große Börsencrash Anfang der 2000er Jahre habe in Deutschland für viel Unsicherheit gesorgt – gute 20 Jahre lang hätten viele Menschen lieber die Finger von Aktien gelassen.

  • Moderation:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartnerin:  Bo Hyun Kim, ARD Börsenstudio