Frauen verdienen auch 2019 noch 21 Prozent weniger als Männer. Laura Rauschnick vom DGB-Projekt "Was verdient die Frau? Wirtschaftliche Unabhängigkeit!" rät: Vergesst gute Vorsätze wie "Mehr Sport machen" oder "Gesünder kochen". Kümmert euch ums Geld! 

Also gleich mal vorweg: Die Herren hier sind natürlich auch herzlich eingeladen, diesen Artikel zu lesen. Jeder sollte sich über seine finanzielle Situation und seine wirtschaftliche Unabhängigkeit Gedanken machen. Frauen lassen das Thema nur leider öfter mal links liegen oder nehmen Benachteiligungen leichtfertig hin. 

Finanzen klären, Rentenansprüche, Teilzeitfalle, das sind auch alles Dinge, die nicht gerade sexy klingen. Sich damit zu beschäftigen ist aber klug. Und ihr seid klug.

Wer weniger einzahlt, bekommt weniger Rente

Die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen ist in Deutschland viel häufiger bedroht als bei Männern. Das zeigen die Zahlen: Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. 

Das hat aber auch Gründe. Frauen arbeiten etwa häufiger in Jobs, die schlecht bezahlt sind, wie Pflegeberufe zum Beispiel. Das hängt aber auch damit zusammen, dass Frauen häufiger aus dem Erwerbsleben ausscheiden oder auf Teilzeit gehen, weil sie sich zum Beispiel Zeit für die Kinderbetreuung oder Pflege älterer Familienangehöriger nehmen. 

Die Rechnung ist ganz simpel: Wer weniger arbeitet und weniger verdient, zahlt weniger ein und bekommt später weniger Rente. 

Ausgaben checken und Haushaltsbuch führen

Laura Rauschnick vom DGB-Projekt "Was verdient die Frau? Wirtschaftliche Unabhängigkeit!" sagt, zunächst sollten wir uns einen Überblick verschaffen: Was verdiene ich eigentlich, und wofür geht das Geld raus? 

Wie unsere Großeltern könnten wir einige Zeit lang ein Haushaltsbuch führen, in das wir alle Ausgaben rein schreiben. Nach einer Weile haben wir schon einen sehr guten Eindruck, sagt Laura Rauschnick. Der Deutsche Gewerkschaftsbund empfiehlt, sich das Einkommen genau einzuteilen - und zwar nach der 50-30-20-Regel.

  • 50 Prozent: Grundausgaben wie Miete, Strom, Handy...
  • 30 Prozent: private Ausgabe wie Hobbys, Kino, Urlaub...
  • 20 Prozent: Sparen oder Schulden tilgen

Damit bekommen wir unsere Finanzen unter Kontrolle, sagt Laura Rauschnick.

"50 Prozent des Einkommens gehen für Grundausgaben wie Miete, Stromkosten und Handyvertrag drauf, 30 Prozent sind für private Ausgaben wie Restaurantbesuche, Hobbys, Sport oder Urlaub gedacht und 20 Prozent sind zum Sparen oder Schulden tilgen."

Die 20 Prozent erläutert Laura Rauschnick noch etwas genauer, denn dieses Geld ist als Art Notgroschen gedacht, auf den wir einerseits zurückgreifen können, wenn die Waschmaschine mal kaputt geht, der aber auch zu einem Fluchtgroschen werden kann, wenn wir aus einer unangenehmen Situation fliehen müssen. Aus einem ausbeuterischen Job oder einer Beziehung zum Beispiel. 

Gehaltsansprüche recherchieren und Gehalt verhandeln

Laura Rauschnick rät allen Frauen, die Möglichkeit zu prüfen, ob sie über ihr Gehalt noch einmal verhandeln können. Um herauszufinden, was uns in unserem Job zusteht, helfen Gespräche mit Kolleginnen oder Betriebs- und Personalräten. Einstiegs- oder Durchschnittsgehälter lassen sich aber auch online recherchieren. Zum Beispiel beim Lohnspiegel der Hans-Böckler-Stiftung, beim Gehaltsportal gehalt.de oder für Tariflöhne auf der Infoseite für den Öffentlichen Dienst

Geld: Aufteilung in der Partnerschaft

Ebenfalls wichtig ist es, mit dem Partner über ein paar Themen zu sprechen, die man gerne mal vor sich herschiebt. Dazu zählen partnerschaftliche Arbeitsteilung und Vereinbarkeit, also: Wie wird Hausarbeit, Freizeit und Arbeit aufgeteilt. Aber auch das Thema Geld ist wichtig. 

Laura Rauschnick sagt, oft läuft es die erste Zeit ziemlich gleichberechtigt und parallel; beide gehen arbeiten, verdienen ähnlich. Wenn dann aber ein Kind kommt, sind es oft die Frauen, die im Job eine Pause machen und hinterher auf Teilzeit runter gehen. Das heißt: Die Familie hat ein bis eineinhalb Gehälter, wodurch sie ganz gut über die Runden kommt. Die Frau zahlt aber viel weniger in die Rentenkasse und private Vorsorge ein, was sie später im Fall einer Trennung oder Scheidung extrem bereut. Weil sie dann merkt, dass sie sich abhängig gemacht hat.  

"Die Frauen haben kein existenzsicherndes Einkommen, was sie unabhängig macht. Das heißt: Im Fall einer Trennung oder Scheidung können sie nicht selbst für sich sorgen."
​Laura Rauschnick vom DGB-Projekt "Was verdient die Frau? Wirtschaftliche Unabhängigkeit!​"

Das Thema Rente ist zwar für die meisten von uns noch ziemlich weit weg, aber vielleicht motiviert diese Zahl, seine eigenen Rentenansprüche mal zu checken: Frauen bekommen derzeit in Deutschland durchschnittlich 685 Euro Rente. Damit sind sie die größte Risikogruppe für Altersarmut. Bei der Deutschen Rentenversicherung kann jeder anrufen und den aktuellen Status abfragen. Also: Wie viel Rente würde ich später bekommen, wenn alles so weiter liefe wie bisher. 

Der Deutsche Gewerkschaftsbund rät außerdem zu einer zusätzlichen privaten Vorsorge. Dazu können wir uns beispielsweise bei den unabhängigen Verbraucherzentralen beraten lassen.

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