Bei gleicher Qualifikation verdienen Männer im gleichen Job immer noch sechs Prozent mehr als Frauen. Diese Gender Pay Gap lässt sich aber schließen. Zum Beispiel durch mehr Transparenz.

Bei gleicher Arbeit mit gleicher Qualifikation im gleichen Job werden Frauen schlechter bezahlt als Männer. Das ist die sogenannte Gender Pay Gap. Im Schnitt erhalten in Deutschland Frauen dann sechs Prozent weniger Geld (nach einer bestimmten Berechnungsmethode - mehr dazu hier).

Werden noch andere Faktoren mit einberechnet, wie häufigere Teilzeitbeschäftigung oder generell Beschäftigung in schlechter bezahlten Berufen, dann ist der Gap noch höher.

Gehälter offen legen

Eine Studie aus Dänemark legt jetzt nahe: Werden die Gehälter offen gelegt, wird die Gender Pay Gap geringer. 2007 wurde dort ein Gesetz verabschiedet, das verlangt, dass die Gehälter offen gelegt werden.

Henrike von Platen vom Fair Pay Innovation Lab ist schon lange davon überzeugt, dass eine größere Transparenz in Sachen Lohn und Gehalt etwas bewirken kann. 

"Klasse, dass es so Studien gibt und wir auch über Geld reden. Weil ich glaube, dass tatsächlich Transparenz der Schlüssel ist, damit wir diese Lücke schließen."
Henrike von Platen, Gründerin des Fair Pay Innovation Lab

Auch in Deutschland gibt es seit einem Jahr ein Entgeld-Transparenzgesetz. Das bedeutet: In Firmen mit mehr als 200 Beschäftigten dürfen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nachfragen, wie viel die anderen verdienen. Aber wir als Gesellschaft tun uns immer noch schwer, über Geld zu reden. Das würde sich auch nicht vom einen auf den anderen Tag ändern, sagt Henrike von Platen.

Das heißt, wir müssen selber aktiv werden, um etwas über die Gehälter der anderen zu erfahren. Es ist kein offenes Reden darüber, wer wie viel Geld für welchen Job erhält. Ob das Entgeld-Transparenzgesetz daran etwas ändern wird, lässt sich nach einem Jahr allerdings schwer sagen.

"Was ich raushöre von Unternehmen und Menschen, mit denen ich gesprochen habe: Es wird noch viel zu wenig genutzt."
Henrike von Platen, Gründerin des Fair Pay Innovation Lab

Eigentlich, meint Henrike von Platen, bräuchte es eine massive Marketingmaßnahme, damit Menschen die Frage nach dem Gehalt stellen. Denn erst wenn die Frage gestellt wird, fangen Chefs und Betriebsräte an, sich damit zu beschäftigen. Und die Antworten gibt es dann schwarz auf weiß.

Mehr Transparenz bei Gehältern - andere Länder machen es vor

Als vorbildlich sieht Henrike von Platen den Equal Pay Standard, wie er in Island angewendet wird. Der soll jetzt auch von anderen nordischen Ländern übernommen werden. Das wichtige daran sei, dass eine Umkehr der Beweislast stattfinde: Unternehmen müssen nachweisen, dass sie fair und gleich bezahlen.

"Ich muss dann nicht feststellen: Ich als Person bin die, die weniger bekommt und muss dann kämpfen. Sondern die Unternehmen müssen nachweisen, dass sie fair und gleich bezahlen."
Henrike von Platen, Gründerin des Fair Pay Innovation Lab

Tun sie das nicht und können die Unternehmen nicht nachweisen, dass sie die Anforderungen erfüllen, müssen sie Strafe zahlen. Für Henrike von Platen ist das der bessere Weg, um Transparenz zu schaffen und die Lücke zu schließen. Auch in Großbritannien gibt es einen Vorstoß: Dort müssen die Unternehmen seit Anfang 2018 jährlich ihre Gender Pay Gap veröffentlichen. 

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