Bis zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern kann es noch dauern. Das Weltwirtschaftsforum rechnet mit rund 200 Jahren. Wir haben uns seinen Report angesehen und geguckt, wie es schneller gehen könnte.

Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen liegt laut einem Bericht des Weltwirtschaftsforums bei 68 Prozent. 100 Prozent würde bedeuten, dass Männer und Frauen exakt die gleichen Chancen hätten. Bei der Gesamtentwicklung hin zu mehr Gleichberechtigung ist Deutschland etwas abgerutscht. Für den Report wurden Daten aus 149 Ländern ausgewertet. Berücksichtigt wurden vier Kategorien:

  • Ökonomische Teilhabe und Chancen
  • Bildung
  • Gesundheit und Lebenserwartung
  • Politischen Teilhabe

Männliche Mehrheit in den Parlamenten

Bei Bildung und Gesundheit liegt die Gleichberechtigung bei rund 95 Prozent. Bei Politischer Teilhabe sind es nur in etwa 20 Prozent. Das liegt daran, dass in Regierungen und Parlamenten weltweit Männer deutlich überrepräsentiert sind. Island schneidet hier noch am besten ab. Dort sind es im Parlament 38 Prozent – zum Vergleich in Deutschland sind es 30 Prozent.

Zwar hält sich der Gender Pay Gap, also die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen hartnäckig, aber in dem Report finden sich zu Jobchancen und zur wirtschaftlichen Situation auch einige überraschende Zahlen. Rund ein Drittel der Führungspositionen ist demnach weltweit mit Frauen besetzt. In Jamaica, Laos, Kolumbien, auf den Bahamas und den Philippinen sind es laut dem Report die Hälfte.

Zum Nachhören: Jenny Rieger im Gespräch zu dem Gender-Gap-Report
"Bei Bildung und Gesundheit sieht es weltweit ganz gut aus. Bei politischer Teilhabe ist es viel weniger, da sind es nur 20 Prozent."

Das Weltwirtschaftsforum ist eine Stiftung, deren erklärtes Ziel die Verbesserung der Welt ist. Etwa 1000 Unternehmen finanzieren die in der Schweiz ansässige Organisation. Ihre Jahrestreffen finden jeweils zu Beginn des Jahres in Davos statt. Kritikerinnnen haben das Gegenformat Global Female Leaders ins Leben gerufen. Hier treffen sich seit 2014 jährlich weibliche Führungskräfte.

Die schlechte Nachricht ist, dass es noch 202 Jahre dauert, bis der Gap geschlossen ist. Unser Reporter Stephan Beuting hat mit Stevie Schmiedel gesprochen. Sie ist Genderforscherin, Feministin und Geschäftsführerin der Organisation Pinkstinks. Ein Ziel von Pinkstinks ist, dass sich die Lücke ein wenig schneller schließt.

"Diese Jahreszahlen, dass wir noch 100 oder manchmal sogar 200 Jahre brauchen, bis die Lücken geschlossen sind, die schockieren komplett."

Stephan hat einige konkrete Ideen herausgearbeitet, die den Prozess beschleunigen könnten. Dazu gehört neben einer Tagesväterprämie auch, toxischer Männlichkeit erzieherisch gegenzusteuern. Sie möchte auch bei der Erziehung ansetzen – insbesondere bei Jungen. Auch für Stevie Schmiedel ist hier ein Ansatzpunkt.

​"Wir erziehen kleine Jungen nach wie vor als kleine Helden. Wir haben Angst vor schwachen Jungen. Diese Sensibilität lernen die nicht."

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