Die Gaming-Industrie ist ziemlich männlich, die Games auch. Nur fünf Prozent Heldinnen dürfen mitspielen – zeigt eine Auswertung der Spiele auf der Messe E3.

Die Gaming-Industrie bleibt recht hartnäckig bei alten Rollenbildern – allen Ambitionen zum Trotz. Zu diesem Ergebnis kommt die feministische Review-Plattform Feminist Frequency. Die Organisation hat sich die Spiele der Gaming-Messe E3 daraufhin angesehen, wie oft weibliche Charaktere vorkommen und welches Rollenbild sie vermitteln. Ihre vorwiegend statistische Analyse haben die Mitarbeiterinnen auch in den Jahren 2015, 2016, 2017 und 2018 durchgeführt und die aktuellen bei wired.com veröffentlicht.

Wenige Heldinnen, ein bisschen mehr Auswahl

Die Ergebnisse:

  • Der Anteil von Spielen mit weiblichen Hauptfiguren liegt 2019 bei 4,8 Prozent.
  • 2018: 8 Prozent
  • 2017: 7 Prozent
  • 2016: 3,8 Prozent
  • 2015: 9 Prozent
  • Der Anteil von Spielen mit männlichen Helden ist seit 2016 von 41 auf 21 Prozent zurückgegangen
  • Der Anteil der Spiele mit mehreren Auswahlmöglichkeiten liegt 2019 bei 66 Prozent und hat von 2016 an Jahr für Jahr zugenommen.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Yannic Hannebohn hat sich die Ergebnisse angesehen.

"Es sah auch eigentlich so aus, als ob 2019 endlich der Wendepunkt für die Industrie sein könnte. Die Autorinnen der Studie kommen aber zu dem Ergebnis, dass sich zahlenmäßig nicht viel getan hat."
Yannic Hannebohn, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Gaming Branche ist maßgeblich von Männer dominiert: Entwicklerteams, Verantwortliche von E-Sportsmannschaften oder Moderatoren auf der E3 sind mehrheitlich Männer.

Proteste und Kurzstreiks

Ubisoft beispielsweise, eine der größeren Gamesfirmen, hat auf der GDC Entwicklerkonferenz 2018 ein Team vorgestellt, das nur aus Männern bestand. Die Konferenz hatte immerhin eine Women's Rally. Gegen den Spieleentwickler Riot Games laufen derzeit mehrere Verfahren. Frauen werfen dem Unternehmen vor, am Arbeitsplatz sexuell belästigt und diskriminiert worden zu sein.

Frauen bestreiken Gaming-Unternehmen

Außerdem geht es um ungerechte Bezahlung. Im Zusammenhang mit den Vorwürfen ist es zum bisher größten Kurzstreik in der Gamingindustrie in der Riot-Games-Konzernzentrale in Los Angeles gekommen. Das Unternehmen hat daraufhin zugesichert, dass zukünftig Mitarbeiterinnen nicht mehr zu internen Schlichtungsverfahren gezwungen werden sollen.

Wenn in den Spielen dann weibliche Charaktere vorkommen, sind sie in der Regel dünn und schlank. Sie sehen aus wie Models. Für Yannic ist diese Einheitlichkeit langweilig und anstrengend. Er nimmt an, dass die Hersteller es sich momentan einfach leisten können, Käuferinnen außen vor zu lassen.

"Ich finde, da hat sich seit Lara Croft nicht viel getan. Ich würde mir mehr Diversität wünschen."
Yannic Hannebohn, Deutschlandfunk-Nova-Reporter