Ein generalüberholtes, gebrauchtes Smartphone ist in vielerlei Hinsicht besser als ein neues: Es ist günstiger und nachhaltiger.

22 Millionen Smartphones werden jährlich in Deutschland verkauft. Das bedeutet für das Portemonnaie und die Umwelt eine unnötige Belastung. Wer sich ein generalüberholtes Smartphone von einem der darauf spezialisierten Anbieter kauft, der macht es eigentlich besser.

"Die größten Umweltauswirkungen im Smartphone-Lebenszyklus entstehen in der Produktion, das heißt umso länger wir die Smartphones nutzen, umso besser."
Ferdinand Revellio, Wissenschaftler, der über nachhaltige Smartphone-Nutzung promoviert hat

Wir sparen also nicht nur Geld sondern auch CO2 ein, wenn wir in Kauf nehmen, nicht das allerneuste Modell zu nutzen. Zwischen 70 und 80 Prozent der Umweltschäden und des CO2-Ausstoßes fallen an, wenn das Smartphone hergestellt wird.

Wie viel wir sparen können

Bei einem aktuellen Modell kann die Ersparnis bei 50 bis 120 Euro im Vergleich zu einem Neugerät liegen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Nico Rau. Allerdings gibt es nicht unbedingt die aktuellen Modelle der Premiumhersteller wie Apple oder Samsung.

"Man muss dann schon, sage ich mal, zwei, drei Modelle nach hinten gehen, um da wirklich ein Schnäppchen zu machen.
Ferdinand Revellio, Wissenschaftler, der über nachhaltige Smartphone-Nutzung promoviert hat

Der Preis des gebrauchten Smartphones ist auch immer abhängig
davon, wie sein Zustand vom Anbieter bewertet wird. Dafür gibt es in der
Regel die drei Stufen "wie neu“, "sehr gut" und "gut", sagt Nico Rau. Dabei kann ein "sehr gutes" Modell schon leichte Gebrauchsspuren wie kleine Kratzer auf dem Display haben.

Einzelne Komponenten werden ausgetauscht

Dass so ein gebrauchtes Smartphone eine kürzere Lebensdauer hat, müsse man aber nicht befürchten, meint Nico Rau. Denn die Anbieter prüfen die Smartphones genau, reinigen sie - und wenn nötig tauschen sie auch einzelne Komponenten aus. Beispielsweise das Display, wenn es stark zerkratzt ist, oder den Akku, wenn der alte nicht mehr einwandfrei funktioniert.

Zudem gebe es weitere Sicherheiten:

  • eine gesetzliche Gewährleistung von einem Jahr auf das Gerät wie bei Neukauf
  • darüber hinaus geben die Hersteller eine zusätzliche Garantie, manche sogar drei Jahre
  • sollten in dieser Zeit Probleme auftreten, werden die Gerät kostenlos repariert

Worauf wir bei Kauf eines generalüberholten Handys achten sollten

Wenn wir uns auf die Suche nach einem gebrauchten Gerät machen, sollten wir uns darüber informieren, wie viel der Neupreis beträgt, empfiehlt unser Reporter. Außerdem auf folgende Punkte achten:

  • innerhalb der ersten 14 Tage genau darauf schauen, ob alles funktioniert (in dieser Zeit kann das Gerät ohne Angaben zurückgeschickt werden)
  • den Akku prüfen
  • das Display checken (Helligkeit, Pixelfehler, Kratzer)
"Ich empfehle auf jeden Fall ein Premium-Modell. Die sind einfach sehr robust gebaut. Und ich bekomme auch Ersatzteile."
Bei Smartphones empfiehlt der Wissenschaftler Ferdinand Revellio Premiummodelle

Ferdinand Revellio hat zu nachhaltiger Smartphone-Nutzung geforscht und empfiehlt bei gebrauchten Smartphones eher zu Premiummodellen zu greifen, die zum einen robuster sind und für die es auch Ersatzteile gibt.

Nachhaltig und neu: Fair hergestellte Smartphones

Wenn es unbedingt ein neues Smartphone sein soll, dann gibt es übrigens nachhaltiger hergestellte, etwa von den Herstellern Fairphone und Shiftphone, sagt Nico Rau.

Die Hersteller dieser fair produzierten Produkte legen großen Wert darauf, dass beispielsweise die Arbeiter gut behandelt und bezahlt werden. Auch beim Abbau der Rohstoffe achten sie darauf, dass die Umwelt nicht verschmutzt wird. Zudem sind die Geräte modular aufgebaut, das heißt, einzelne Komponenten lassen sich leichter austauschen.

Die fair produzierten Smartphones sind aber von der Geräteleistung nicht so sehr für "Power-User" geeignet, sagt Nico Rau, sondern eher für den normalen Nutzer, der keine großen Ansprüche stellt. Und: Weil diese Geräte erst seit kurzem auf dem Markt sind, können Experten noch nicht einschätzen, wie gut und lange sie genutzt werden können.