Die Sozialversicherungsbeiträge steigen, aber die Renten sinken. Zur Jahrtausendwende haben hundert Arbeitnehmer etwa 24 Rentner finanziert, 2030 werden es fast 50 Rentner sein. Die Leidtragenden sind die heute 20- bis 40-Jährigen. Wo bleibt der Protest?

Immerhin gibt es einen, der schon länger protestiert. Das ist Paul Ziemiak. Der 32-Jährige wurde 2017 in den Bundestag gewählt und ist Vorsitzender der Jungen Union. Ziemiak hat schon 2016 zu einem Aufstand der Jungen aufgerufen, denn er findet, dass sich die aktuellen politischen Entscheidungen zu sehr an der älteren Wählerschaft orientieren. Dass es zu viele Wahlgeschenke für die über 60-Jährigen gibt.

"Wir haben die Rente mit 63 beschlossen, auf der anderen Seite die Mütterrente. So etwas darf es nicht geben, wenn es kein Finanzierungskonzept dazu gibt."

Die Rente mit 63 ist auch Thema bei den laufenden Sondierungsgesprächen in Berlin für eine mögliche künftige Jamaika-Koalition im Bund. Ob es zu einer Anpassung der Rente mit 63 kommt, ist aber ungewiss.

Niemand will ein Jung gegen Alt

Bleibt die Frage: Haben Politiker wie Ziemiak überhaupt genug Unterstützer, um laut und wirksam zu rebellieren? Für viele 20- bis 35-Jährige ist das Thema Rente kein Aufregerthema. Vielleicht auch, weil die eigene Rente noch weit in der Zukunft liegt und aktuelle Probleme wichtiger sind.

Auch bei den Jugendorganisationen der anderen Parteien ist der Protest eher verhalten. Weder bei den Jusos, der Jugendorganisation der SPD, noch bei den Julis, der grünen Jugend oder bei der Linksjugend regt sich Widerstand bei den Mitgliedern, dass sie steigende Beiträge zahlen müssen und vielleicht trotzdem irgendwann in Altersarmut enden.

Das liegt auch daran, dass die Jugendorganisationen keinen Kampf zwischen den Generationen, zwischen Jung und Alt befördern wollen.

"Die Jungen wollen natürlich später eine anständige Rente bekommen. Sie wollen aber auch, dass es ihrer Oma gut geht und dass es ihren Eltern gut geht."

Aber wie kann dann eine Lösung aussehen? Die Jusos wollen zum Beispiel, dass alle in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen - auch Beamte, Selbstständige und Politiker. Außerdem fordern sie höhere Steuerzuschüsse, die jedoch auch von den Steuerzahlern finanziert werden müssen.