Island ist eine wahre Fundgrube für Genetiker: Eine homogene Gruppe, lange von der Außenwelt abgeschottet. Die Entschlüsselung des isländischen Genoms soll helfen, Risiken früh zu erkennen und neue Heilmethoden zu finden.

Die Isländer sind ein überschaubares Volk. Auf einer Fläche so groß wie Bayern, leben rund 300.000 Menschen. Nicht mehr als in Bielefeld, Augsburg oder Chemnitz. Rund sechs Jahrhunderte lang blieben die Isländer unter sich. Das führte dazu, dass die Menschen nah miteinander verwandt sind und der Genpool recht homogen ist.

"Es gab ein riesiges Experiment von Inzucht auf der Insel. Das hatte keine schlimmen Folgen, aber vergleichsweise sind die Isländer viel enger miteinander verwandt als hier in Deutschland."
Michael Lange, Wissenschaftsjournalist

Beste Voraussetzungen für Forschungserfolg

Hinzu kommt, dass die Isländer ein Faible für Ahnenforschung haben und ziemlich genau dokumentiert ist, wer mit wem wie verwandt ist. Der Genforscher Kari Stefansson hat seinen Stammbaum bis 1100 Jahre zurückverfolgt. Er war es auch, der 1996 die Pharmafirma Firma Decode Genetics gründete, um das gesamte isländische Genom zu entschlüsseln.

Kari Stefansson: Was das Wissen über genetische Risiken ändert

Ein Drittel der isländischen DNA bereits entschlüsselt

Der Wissenschaftler Kari Stefansson erhoffte sich dadurch Aufschlüsse über Krankheiten wie Alzheimer und Diabetes. Allerdings zeigt die Pharmawirtschaft in den letzten zwei Jahrzehnten nicht besonders viel Interesse für dieses Projekt und Kari Stefansson stand mit seiner Firma mehrfach vor der Insolvenz. Das Unternehmen hat überlebt und inzwischen haben 100.000 Isländer ihre DNA zur Verfügung gestellt.

In die Kritik geraten

Decode Genetics steht seit 2013 in der Kritik, weil die Firma mithilfe von Bioinformatik auch das Genmaterial von Isländern untersuchen will, die nicht ihr Einverständnis gegeben haben. Die Datenschutzbehörde sprach ein Verbot aus. Die Pharmafirma entschied daraufhin, rechtlich dagegen vorzugehen. Kari Stefansson begründete seine Entscheidung damit, dass es kriminell wäre, die Daten nicht zu nutzen. Die Fachzeitschrift Nature veröffentlichte nun neue Erkenntnisse zu genetischen Risiken.

"It would be criminal not to take advantage of it. And I am convinced that my fellow countrymen will begin to use it pretty soon."
Kari Stefansson, Genforscher

Über den Nutzen der Dekodierung von Genen