Unter den Wissenschaftlern, die ein Moratorium für das Crispr-Cas-Verfahren fordern, auch Genschere genannt, sind auch deren Erfinder. Sie wollen verhindern, dass in Zukunft in das menschliche Erbgut eingegriffen wird.

Der Wissenschaftler He Jiankui hat in das Erbgut von Embryonen eingegriffen. So gibt es jetzt mindestens zwei Kinder auf der Welt, die sich wohl nicht mit dem Aids-Virus anstecken können. Ethische Fragen haben den Wissenschaftler nicht interessiert, wohl aber die Erfinder der Crispr-Cas Methode, die auch als Genschere bezeichnet wird. Emmanuelle Charpentier und Feng Zhang sowie Wissenschaftler aus sieben Ländern wollen in Zukunft verhindern, dass Genforscher in die menschliche Keimbahn eingreifen. In der Fachzeitschrift Nature fordern sie ein Moratorium.

"Die Wissenschaftler sagen, wir müssen verstehen, wie sich der Eingriff in das menschliche Erbgut langfristig auswirkt."
Anneke Schäfer, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Mit der Keimbahn sind alle menschlichen Zellen gemeint. Experimente mit der menschlichen Keimbahn sollen dauerhaft untersagt werden. Denn im Fall der chinesischen Zwillinge Lulu und Nana hat der Genforscher He Jiankui deren Gene zwar gegen HIV1 resistent gemacht, aber sie werden diese veränderten Gene weitervererben. Und somit wirkt sich die Veränderung auf die ganze menschliche Spezies aus.

Konsequenzen der Genschere in menschlicher Keimbahn nicht einschätzbar

Auch wenn das Ergebnis, immun gegen HIV zu sein, wünschenswert ist, sind die Nebenwirkungen der Genschere nicht abzuschätzen. Im Fall der Zwillinge hat der Wissenschaftler das Gen CCR5 entfernt. Laut einer US-Studie das auch zu einer verbesserten Gedächtnisleistung führen oder dass sich die Rekonvaleszenz nach einem Schlaganfall verbessert. Aber die Wissenschaftler wissen zum Beispiel nicht, was passiert, wenn sich die veränderte DNA mit einer anderen DNA verbindet. Aus diesem Grund fordern die Wissenschaftler sofort einen Stopp dieser Experimente, bis bekannt ist, wie sich eine solche Genmanipulation langfristig auswirkt.

Breite Diskussion in der Gesellschaft über Crispr-Cas

Vor allem fordern die Wissenschaftler, dass über die Methode breit in der Gesellschaft diskutiert werden müsse, sodass ein Konsens über Methode und ihre Risiken gefunden werden kann. Wie so eine Diskussion und der folgende Konsens erreicht werden sollen, ist den Wissenschaftlern allerdings nicht so klar. Auf europäischer Ebene beschäftigt sich der Ethikrat mit dem Thema und in Deutschland gibt es ein Gesetzt, dass das derartige Experimente verbietet. Aber auf internationaler Ebene ist schwierig, alle Länder dazu zu bewegen, die Genschere nicht für die menschliche Keimbahn zuzulassen. Die Unesco hatte 2015 einen Vorstoß in diese Richtung gemacht.

Internationaler Konsens notwendig

Grundsätzlich wird der Vorschlag der Wissenschaftler positiv aufgenommen. Allerdings sieht die Medizinethikerin Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrates, damit weitere Fragestellungen verbunden, nämlich welche Konsequenzen erfolgen müssen, wenn Wissenschaftler gegen das Verbot verstoßen. Der Medizinrechtler Jochen Taupitz weist daraufhin, dass die Rechtssysteme in den einzelnen Ländern unterschiedlich sind. Peter Dabrock vom Deutschen Ethikrat fordert eine internationale Konferenz nach dem Vorbild der Uno-Klimakonferenz, weil eben die ganze Menschheit betroffen ist.

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