Der Welt-Vegan-Tag (01.11.) ist nicht mehr nur für eine kleine Minderheit da. Allein in Deutschland gibt es inzwischen knapp eine Million Veganer - sie hatten schon im alten Griechenland Mitstreiter.

Eines hatten die Veganer und Vegetarier im alten Griechenland mit denen von heute gemeinsam: Sie waren überdurchschnittlich gut gebildet und eher in den oberen Schichten zu finden. Der Philosoph Pythagoras (der mit dem Satz) war einer der ganz frühen Vegetarier - eventuell sogar Veganer, das weiß niemand so genau. Aber selbst, wenn er auf alle tierischen Produkte verzichtet hätte, hätte die Menschen ihn damals nicht Veganer genannt, denn das Wort gab es noch gar nicht. Eine Unterscheidung zwischen Vegetarier und Veganer war bis 1944 nicht möglich.

Pythagoras ging es weniger ums Tierwohl, gesunde Ernährung und den Klimawandel. Vielmehr gehörte er der religiösen Gemeinschaft der Orphiker an. Sie glaubte daran, dass Menschen als Tier wiedergeboren werden können. Pythagoras schrieb:

"Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen zurück."
Pythagoras von Samos

Pythagoras und seine antiken Vegetarier-Kollegen hatten kein gutes Image, sie galten eher als Randgruppe und wurden verspottet.

Nach der Antike wurde es in Europa eine ganze Weile still um den Vegetarismus, was sich erst wieder im 19. Jahrhundert änderte. In der Zeit drehte sich viel um Verzicht, etwa auf Zucker und Alkohol. Es ging damals ebenfalls weniger um das Vegetarische an sich, sagt Sebastian Joy, Geschäftsführer des Vegetarier-Bunds Deutschland, "es ging um eine natürliche Lebensweise".

1944 erfand der Brite Donald Watson ein neues Wort: Vom Englischen "vegetarian" nahm er die ersten drei und die letzten beiden Buchstaben und machte daraus "vegan". Er selbst wurde Veganer, nachdem er auf dem Hof seines Onkels sah, wie ein Schwein geschlachtet wurde.

"Ich musste für mich alles neu bewerten und kam zu dem Schluss: Dieser scheinbar idyllische Bauernhof war nichts anderes als ein Todestrakt."
Donald Watson

In Deutschland galt vegetarische Ernährung nach dem Krieg eher als Schonkost für Kranke oder für Öko-Spinner mit ungepflegten Frisuren. In den 70er- und 80er-Jahren wandelte sich das langsam.

Die Tierrechtsbewegung setzte sich gegen Massentierhaltung ein. Und den Deutschen fiel auf, dass sie immer dicker wurden. Obst, Gemüse und eine gesunde Ernährung wurden wichtiger. Dass Menschen auch auf Milch, Eier und andere tierische Produkte verzichten, war aber immer noch selten.

Jedes Jahr hunderte vegane Kochbücher

Nach Schätzungen des Vegetarierbundes gibt es in Deutschland heute rund 900.000 Veganer. Damit sind sie immer noch eine Minderheit, doch veganes Essen ist längst im Mainstream angekommen. Hippe Stadtviertel sind bestückt mit veganen Restaurants, im Supermarkt gibt es vegane Produkte, jedes Jahr erscheinen hunderte Kochbücher mit veganen Rezepten.