Medizinischer Onlineservice

Ferndiagnose von Geschlechtskrankheiten

"Intimarzt" ist der erste Service, der per Ferndiagnose Geschlechtskrankheiten diagnostiziert – und das anonym, per App oder online. Bundesweit ist das Modellprojekt das einzige dieser Art. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Magdalena Bienert hat sich "Intimarzt" angesehen.

"Anonym, schnell und kostengünstig eine Einschätzung" eines intimen Problems zu liefern, verspricht die Website "Intimarzt". Die Diagnose erfolgt dabei durch "einen deutschen Facharzt für Geschlechtskrankheiten". So steht es auf der Website. Eine freundlich lächelnde Ärztin und zwei Ärzte werden mit Fotos als das Fachpersonal vorgestellt, das innerhalb von 48 Stunden eine Diagnose liefern soll. Titus Brinker hat das Angebot mitentwickelt, gemeinsam mit Ärzten und Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Heidelberg.

Wie die Ferndiagnose bei "Intimarzt" funktioniert

Für eine Diagnose sollen die Menschen mit Problemen im Intimbereich drei Fotos aus drei Abständen fertigen, erklärt Titus Brinker. Ergänzt werde die digitale Anamnese durch gezielte Fragen, die der Patient beantworten müsse. Alle Informationen zusammen gingen in einem nächsten Schritt an einen Facharzt für Geschlechtskrankheiten, der über mindestens zehn Jahre Berufserfahrung verfüge. Dieser beurteile die Symptome innerhalb weniger Stunden und gebe weitere Handlungsempfehlungen, so Titus Brinker.

Wer allerdings auf ein schnelles Rezept hofft, liegt bei "Intimarzt" falsch. Nach der Diagnose werden lediglich freiverkäufliche Mittel empfohlen. Oder aber der Besuch bei einer Kollegin oder einem Kollegen in einer realen Praxis.

Falsches Schamgefühl hindert am Arztbesuch

User müssen älter als 13 Jahre alt sein – weitere Ausschlusskriterien gibt es nicht. Eine Diagnose kostet 25 Euro, aber eine Krankenversicherung ist nicht zwingend. Damit sei die Hemmschwelle für die Nutzung des Angebots sehr niedrig, sagt Titus Brinker. Und das sei wichtig, weil viele Menschen vielfach aus Schamgefühl zu spät mit intimen Problemen zu einem Arzt gingen. Schamgefühl, dass religiös motiviert sein könne, oder aber wegen der Befürchtung, dass der Arzt beispielsweise die Tante des Patienten kenne. Solche Überlegungen würden vielfach in ländlicher Umgebung eine Rolle spielen, so Titus Brinker.

"Ich glaube, dass es einen Nerv trifft, weil viele Menschen, das sehen wir ja in der Klinik, viel zu spät mit intimen Problemen kommen. Weil es ihnen peinlich ist."
Titus Brinker über die Idee der App

Datenschutz spielt bei solchen sensiblen Patienteninformationen eine wichtige Rolle: Auf der Website steht dazu im Kleingedruckten, dass der Webanalysedienst von Google mitliest und Cookies platziert, um das Nutzungsverhalten der User zu checken. Namen, Fotos und auch der Zahlungseingang würden aber auf keinen Fall personenbezogen abgespeichert, versichert Titus Brinker. Der anonyme Datensatz bekomme zudem nur eine Fallnummer, die nicht mit dem Namen verknüpft sei.

"Alle Fotos werden verschlüsselt. Die Datensätze sind anonym und werden eine Woche nach Befund gelöscht."
Titus Brinker über die Anonymisierung der hinterlegten Daten

Website soll das medizinische Angebot Richtung Telemedizin unterstützen

Die Kassenärztlichen Bundesvereinigung beurteilt auf Nachfrage das Angebot von "Intimarzt" als "sinnvolles Komplimentärmedium, das die ärztliche Behandlung ergänzen könne und zudem dabei helfe, eine Hemmschwelle zu überwinden".

Möglich ist dieser Onlineservice, weil Anfang letzten Jahres der Deutsche Ärztetag das Verbot zur Fernbehandlung gelockert hat, um den Ausbau der sogenannten Telemedizin voranzubringen. Seitdem dürfen Ärztinnen und Ärzte auch ohne persönlichen Erstkontakt unter bestimmten Voraussetzungen beraten und behandeln.