Wenn Restaurants geschlossen sind, verlieren Ratten wichtige Nahrungsquellen: Vor allem in Großbritannien und in den USA hat das Folgen. In London suchen die Nager vermehrt in Wohnungen nach Fressen. Und in den USA fressen sich die Tiere teilweise gegenseitig auf. Erik Schmolz vom Umweltbundesamt kennt sich mit Ratten aus.

In den USA bleibt die Gastronomie in manchen Bundesstaaten geschlossen. Manche Restaurants schließen wieder oder werden erst langsam wieder geöffnet. In Großbritannien ist essen gehen weiterhin nicht möglich. Die Maßnahmen waren und sind nötig, um den Ausbruch des neuartigen Coronavirus einzudämmen.

Das hat zur Folge, dass Ratten rund um Restaurants keine Nahrung mehr finden. Wenn keine Lebensmittel mehr weggeworfen werden, hungern die Tiere.

Unser Müll ist das Fressen für Ratten

In London treibt der Hunger die Nager jetzt häufig in Wohnungen. Aber keine Sorge, Ratten fallen niemanden an. Menschen gehören nicht zu ihrem Nahrungsschema, so Erik Schmolz vom Umweltbundesamt. "Viel eher das, was wir an Müll hinterlassen."

In den USA werden Lebensmittelreste in der Gastronomie anders als in Deutschland entsorgt. "In New York zum Beispiel wird der Müll einfach in großen Plastiktüten hinter oder vor das Restaurant gelegt", sagt Erik Schmolz. "Dann kommen die Ratten und beißen so einen Plastiksack sehr schnell auf." Diese Versorgung fällt für die Ratten zurzeit aus.

Kannibalismus unter Ratten

In den USA gab es Fälle von Kannibalismus unter den Nagern. Die Tiere fraßen ihren Nachwuchs auf. Aber: "Das ist im Normalbereich", sagt Erik Schmolz. Denn wenn Ratten in Stress geraten, töteten sie ihren Nachwuchs. Aus Sicht der Ratte, sei das durchaus vernünftig. "Auch wenn das unsympathisch und grausam klingt", sagt Erik Schmolz

"Wenn Ratten und auch viele andere Nagetiere unter Stress geraten, töten sie ihren eigenen Nachwuchs."
Erik Schmolz, Umweltbundesamt

Die säugenden Weibchen verbrauchen viel Energie, um den Nachwuchs mit Milch zu ernähren. "Ratten haben bis zu acht Junge", sagt Erik Schmolz. Die Tiere sparen in der Hungerzeit quasi die Energie für das Säugen ein.

Dass als Folge der Anti-Corona-Maßnahmen die Population der Ratten merklich zurückgehen könnte, hält Erik Schmolz für unwahrscheinlich. "Ratten sind flexibel und versuchen, woanders Nahrung zu finden." Aber es könnte passieren, dass der Anstieg der Population zurückgeht. Zumindest kurzfristig. Denn: "Ratten können sich sehr schnell reproduzieren", sagt Erik Schmolz.

In Deutschland ist die Situation für Ratten nicht so dramatisch. Die Gastronomie konnte schneller wieder öffnen als in den USA. Und auch während des Lockdowns gab es in den Parks Fressen für die Nager.