Es sieht nicht nur superlecker aus, es schmeckt auch sehr gut - bisher können Zuschauer von Kochsendungen so etwas noch nicht sagen. Mit dem Prototypen "Taste the TV" (TTTV) gelingen einem japanischen Professor jetzt erste Schritte Richtung Geschmacksfernsehen.

Das Konzept klingt futuristisch und die Vorstellung davon wirkt etwas absurd. Wir lecken am Display einer Art von Fernsehgerät und können dadurch Geschmäcker empfinden.

"Taste the TV" heißt diese Innovation, die Professor Homei Miyashita von der Meiji University in Tokio gemeinsam mit Studierenden entwickelt hat.

Idee von Pandemie beeinflusst

Die Idee war wohl auch ein wenig durch die Corona-Pandemie beeinflusst. Homei Miyashita hat gesagt, dass er Menschen ermöglichen will, ein Essen in einem Restaurant am anderen Ende der Welt zu erleben, auch wenn sie zu Hause bleiben müssen.

Der Bildschirm könnte möglicherweise aber auch bei der Onlineausbildung von Köchen oder Sommeliers eingesetzt werden. Die Kosten für das Gerät werden auf circa 800 Euro geschätzt.

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Geschmacksübertragung per Bildschirm

Der Prototyp dieses neuartigen Fernsehers sieht nicht so aus wie ein klassisches TV-Gerät. Er hat die Form eines kugelartigen Trichters, unter dem sich ein schräg angebrachter Bildschirm befindet. Man muss zwar nicht knien, sich aber schon ein wenig herunterbeugen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Yana Adu.

Wie dieser Prototyp genau funktioniert, wurde Journalistinnen und Journalisten bei einer Präsentation an der Universität demonstriert, an der der Professor lehrt. Eine Studentin hat dem neuartigen Gerät mit den Worten "süße Schokolade" signalisiert, was sie schmecken möchte.

Die Bestellung wurde dann von einer automatisierten Computerstimme wiederholt und eine Tafel Schokolade erschien auf dem Display. Die Studentin konnte das gezeigte Objekt auf dem Bildschirm ablecken. Der Geschmack soll dem von echter Milchschokolade tatsächlich sehr nahegekommen sein.

"Tatsächlich schmecken wir auf der Zunge im Prinzip nur die fünf Grundgeschmack-Qualitäten süß, sauer, salzig, bitter und umami. Alles, was darüber hinausgeht, das sind weitere sensorische Eindrücke. Insbesondere der Geruch spielt eine sehr große Rolle."
Mark Behrens, Geschmacksforscher vom Leibniz-Institut in München

Der "Geschmacksfernseher" funktioniert nach einer einfachen Methode: In einem Trichter, der sich oberhalb des Bildschirms befindet, ist eine Art Karussell mit zehn Aromakanistern angebracht. Darin sind verschiedene Geschmacksaromen enthalten. Je nach gewünschtem Lebensmittel – also zum Beispiel Schokolade – wird eine Geschmacksprobe auf eine Folie aufgesprüht. Diese Folie rollt dann über den Flachbildschirm, den man dann ablecken kann.

"Wahrscheinlich wird man nicht genau den Geschmack komplexer Lebensmittel damit immer treffen."
Mark Behrens, Geschmacksforscher vom Leibniz-Institut in München

Bisher steckt das Konzept noch in den Kinderschuhen. Zurzeit ist es noch fraglich, dass sich jemand solch einen Bildschirm tatsächlich ins Wohnzimmer stellen würde. Denn der Geschmack von einer Pizza oder von einem anderen geschmacklich komplexeren Gericht, dass man sich im Restaurant bestellen würde, kann noch nicht nachgestellt werden, lautet beispielsweise die Einschätzung des Geschmacksforschers Mark Behrens vom Leibniz-Institut in München.

Es wird sicherlich noch eine Weile dauern, bis das Konzept so weit entwickelt ist, dass weitere Komponenten dazukommen, damit ein volles beziehungsweise komplexeres Geschmackserlebnis geboten werden kann. Und damit steigt dann wahrscheinlich auch der Preis für solch eine Art von Geschmacksfernseher.

"Man wird also dann auf eher simplen Geschmäckern bleiben. Vielleicht süß, vielleicht bitter. Aber das ist natürlich auf Dauer wahrscheinlich für den Fernseher dann auch etwas langweilig."
Mark Behrens, Geschmacksforscher vom Leibniz-Institut in München