Die Gesichtserkennung gehört zu den am meisten umstrittenen Digital-Techniken. Facebook gibt dem öffentlichen Druck jetzt nach und schafft sie ab. Auch die bisher gespeicherten biometrischen Daten sollen gelöscht werden.

Seit rund zehn Jahren setzt Facebook die Technik der Gesichtserkennung ein. Bei entsprechender Zustimmung werden Fotos, die bei Facebook hochgeladen wurden, analysiert und mit Namensvorschlägen versehen. Userinnen und User können so Freunde markieren, sodass diese mitbekommen, wenn Fotos von ihnen veröffentlicht wurden.

Datenschützer haben diese Technik stets kritisiert. Zwar sind wenige Fälle bekannt, in denen Gesichtserkennung zu realen Problemen für Userinnen und User geführt haben, doch die allgemeinen Datenschutzbedenken treffen hier besonders zu: Facebook kann mithilfe der Gesichtserkennung ein noch umfassenderes Profil erstellen und quasi eine Bildergalerie von Personen anlegen, die womöglich nicht nur Unverfängliches zeigt.

Auch können so Verbindungen zu anderen Personen geknüpft werden, die ohne Bilder nicht möglich wären. So weiß Facebook, dass bestimmte Personen Kontakt zueinander haben, weil sie zusammen auf einem Bild zu sehen sind.

Biometrische Daten von einer Milliarde Menschen

Das Unternehmen Meta (Facebooks Mutterkonzern) hat jetzt angekündigt, dass die Gesichtserkennung auf Facebook abgeschafft wird. Außerdem sollen die biometrischen Profile von rund einer Milliarde Menschen gelöscht werden. Meta begründet das mit der geringen gesellschaftlichen Akzeptanz der Gesichtserkennung.

Meta spricht von rund einem Drittel der täglich aktiven Nutzenden, die aktuell mit der Gesichtserkennung arbeiten. Das sind mehr als 600 Millionen Menschen. Die Gesichtserkennung abzuschaffen, sei nicht leicht gefallen, teilt der Konzern mit. Schließlich diene sie auch der Barrierefreiheit. Menschen mit einer Sehbehinderung könnten so erfahren, welche Personen sich auf den Bildern befinden.

"Der Zeitpunkt ist zusammen mit den Negativ-Schlagzeilen des Konzerns zu sehen – durch die Whistleblower und die sogenannten Facebook-Papers."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll sieht den Zeitpunkt nicht zufällig: Meta und Facebook werden zurzeit so stark kritisiert wie selten, nachdem mehrere Whistleblower Belege dafür lieferten, dass Facebook wenig gegen Hassrede und Aufrufe zur Gewalt unternommen hat, obwohl es davon wusste. "Facebook braucht positive Nachrichten", sagt Andreas Noll.

Erfolgreiche Klage

Im Januar hatten sich Facebook und 1,6 Millionen Klägerinnen und Kläger nach einem mehrjährigen Gerichtsverfahren auf einen Vergleich geeinigt. Facebook musste rund 350 US-Dollar pro Person zahlen. Der Vorwurf: Facebook hatte den Nutzerinnen beim Speichern von Bildern angeboten, Freunde zu erkennen und zu markieren. Dafür wurde aber nicht nur das hochgeladene Foto gescannt, sondern auch andere Fotos und Profile – was nicht zulässig war.

In Europa war der Druck durch Datenschützer noch größer. Schon 2012 hat Facebook in Europa die Funktion mehrere Jahre auf Eis gelegt. 2018 wurde sie unter verschärften Bedingungen wieder eingeführt.

  • Kurz und Heute
  • Moderator:  Till Haase
  • Gesprächspartner:  Andras Noll, Deutschlandfunk Nova