Die chinesische Regierung baut sich aktuell eine umfassende Biometrie-Datenbank seiner Bürger auf: Beim Abschluss eines Telefon- oder Internetvertrags werden die biometrischen Merkmale des Gesichtes von allen Nutzerinnen und Nutzern gespeichert.

Ab dem 01. Dezember ist die neue Maßnahme in China Pflicht: Beim Abschluss eines Telefon- oder Internetvertrags werden die biometrischen Merkmale des Gesichtes von allen Kundinnen und Kunden erfasst und gespeichert. Da praktisch alle Chinesen schon oder in Zukunft einen Internetvertrag haben, sichert sich die Regierung damit Zugriff auf die biometrischen Gesichtsdaten quasi aller Bürger.

Als Grund dafür nennt die chinesische Regierung den Schutz aller Bürgern und Bürgerinnen, wie das Tech-Portal Gizmodo berichtet.

Was nicht gesagt wird: Mit der Zeit kann sich der chinesische Staat somit eine umfassende Biometrie-Datenbank aufbauen. Das bietet der Kommunistische Partei Chinas wiederum eine zusätzliche Möglichkeit, die Netzaktivität der Userinnen und User zu überwachen.

"Unüberwachte Diskussionen im Netz sieht die KP als potenzielle Bedrohung ihrer Alleinherrschaft."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Der Gesichtsscan ist in China schon eine übliche Vorgehensweise, um Transaktionen zu authentifizieren: Das Bezahlen mittels Abfrage von biometrischen Merkmalen ist bei den Chinesen beliebt.

Identität per Gesichtsscan verifizieren

Der chinesische Messenger-Dienst Wechat hat die Identifizierung via Gesichtserkennung mit Massentests eingeführt. Anstatt seine Identität mit einem Personalausweis zu verifizieren, konnte die Messanger-App in Kombination mit der Handykamera zum Datenabgleich genutzt werden: Beim Einchecken im Hotel scannte das Hotelpersonal lediglich das Gesicht der Gäste ein.

"China hat hinsichtlich der Überwachung wenig Hemmungen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

In der ostchinesischen Stadt Ningbo nutzen die Behörden das Erkennungs-Tool zum Beispiel, um Einwohnerinnen und Einwohner zu identifizieren, die bei Rot über die Straße gehen. Im Anschluss projizieren sie die Gesichter der Fußgängerinnen auf eine Leinwand als Abschreckungsmaßnahme.

Zudem kann die Regierung so auch Bewegungsprofile von Menschen anfertigen. Die muslimische Minderheit der Uiguren soll zum Beispiel über diesen Weg überwacht werden. Ähnlich sieht es in Hongkong aus: Hier fordern die chinesischen Behörden Demonstrierende dazu auf, ihre Gesichter während Protesten nicht zu bedenken.

Standard-Software anfällig für Fehler

Wie anfällig solche Datenbanksysteme für Fehler sind, haben Forschende der University of Essex in London gezeigt. Sie haben das Echtzeit-Gesichtserkennungssystem der Londoner Polizei untersucht und festgestellt, dass die künstliche Intelligenz in 80 Prozent der gefilmten Bilder die falsche Person erkannte.

Auch in China kam es bereits zu Problemen: Die Scan-Software konnte eine Frau nach einer Schönheitsoperation ihres Gesichts nicht mehr erkennen. Die Frau konnte weder die digitalen Eingangskontrollen ihres Bürogebäudes passieren, Schnellzüge benutzen noch sich beim Online-Shopping anmelden.