eSportler sitzen vor allem vor Screens und sind digital sehr sportlich – aber wie steht es um ihre Gesundheit im analogen Leben? Forscher haben genau das in einer Studie untersucht. 

Für die Studie haben Forscher von der deutschen Sporthochschule Köln gemeinsam mit dem Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung der AOK Rheinland/Hamburg rund 1200 eSportlerinnen und eSportler befragt. Ein Ergebnis der Studie: Die überwiegende Mehrheit der Befragten ist jung, gebildet und sportlich aktiv – 84 Prozent betreiben zusätzlich klassischen Sport. Die Hälfte allerdings unter dem Mindestmaß von 2,5 Stunden pro Woche. Da sei, laut Pressemitteilung, noch "Luft nach oben".

Sportmedizinerin Christine Graf von der deutschen Sporthochschule Köln hat sich die Studie angeschaut und weiß, worauf eSportler achten müssen. Beim Spielen haben eSportlerinnen und eSportler zum Teil Herzfrequenzen von 160 bis zu 180 Schlägen pro Minute, sagt sie. Das sei schon im höheren Leistungsniveau.

"Die Kollegen sagen, dass es zum Teil Herzfrequenzen bis 160, 180 Schlägen pro Minute gibt. Das ist natürlich schon im höheren Leistungsniveau."
Christine Graf, Sportmedizinerin

Die hohe Herzfrequenz entsteht, weil die Personen während des Games unter anderem kognitiv gefordert ist, so Christine Graf: Sie muss den Spielüberblick behalten und schnell reagieren.

"Tennisarm" gibt es auch im eSport

Dazu kommt die hohe Anspannung im Bereich der Hände, Arme und des Rückens. Aus gesundheitlicher Sicht habe sich daher gezeigt, dass es Verletzungen oder Überlastungen durch Fehlhaltungen geben kann – ein Beispiel ist der berühmte Tennisarm.

"Wie immer ist das, was einem liegt, auch gut. Vielleicht ist es auch gar nicht verkehrt, den Sport, den man da am Bildschirm macht, auch live auszuprobieren."
Christine Graf, Sportmedizinerin

Wichtig sei daher Ausgleichssport. Für Christine Graf muss das nicht zwingend ein Ausdauersport sein, sondern eine Sportart, die der jeweiligen Person liegt. Gerade für Bereiche wie Arm und Rücken sei ein entsprechender Ausgleichssport wichtig. Ein Ziel des Forschungsprojektes war, ein Anforderungs- und Belastungsprofil der eSportlerinnen und Sportler zu ermitteln – und daraus Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. 

Aus "anekdotischen Berichten" von eSportlern weiß Christine Graf, dass manche eSportler schon spezifisch trainieren, um im eSport besser zu werden: Augen-Hand-Koordination zum Beispiel.

eSport hat Suchtpotenzial

Die Sportmedizinerin ist gegenüber den langen Bildschirmzeiten beim eSport kritisch eingestellt. Aus gesundheitlicher Sicht sei das nicht wünschenswert. Es gebe außerdem Studien, die besagen, dass eSport großes Suchtpotenzial habe.

"Ich persönlich würde als Sportmedizinerin immer sagen: Na ja, die Zeit, die dann zum Teil vor dem Bildschirm verbracht wird, ist ja nicht, was wir uns aus gesundheitlicher Sicht so wünschen."
Christine Graf, Sportmedizinerin

Es gab zur Zeit der Veröffentlichung dieses Artikels noch keinen direkten Link zur Studie. Die Ergebnisse sollen bald hier zu finden sein.

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