Lärm ist ungesund – das gilt nicht nur für Festivals oder Konzerte, sondern auch für den Alltag. Die Europäische Umweltagentur hat die Lärmbelastung in Europa ermittelt und sagt: Jeder fünfte Mensch ist betroffen.

Die größte Lärmbelastung, die wir in Europa aushalten müssen, entsteht durch Straßenlärm. Laut Europäischer Umweltagentur leben in Europa schätzungsweise 113 Millionen Menschen dauerhaft mit Verkehrslärm, der lauter ist als 55 Dezibel. Das entspricht in etwa einem Gespräch in normaler Lautstärke.

Statistisch bekommt also in den meisten europäischen Ländern mehr als die Hälfte der Stadtbewohner zu viel Verkehrslärm ab.

"In vielen europäischen Ländern, wie zum Beispiel in Italien, Österreich, Zypern oder auch Frankreich ist es lauter als in Deutschland."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Um gesundheitliche Probleme zu vermeiden, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation eine Lautstärke, die geringer als 53 Dezibel ist. Da die Dezibelskala logarithmisch verläuft - je höher die Dezibelzahl, desto lauter ist ein zusätzliches Dezibel - machen zwei Dezibel einen deutlich hörbaren Unterschied, sagt Nachrichtenredakteurin Anne Preger..

Neben Straßenlärm leiden viele Menschen auch unter Zuglärm. Die EU-Behörde spricht von 22 Millionen Europäern. Weitere vier Millionen sind von Fluglärm betroffen.

"Bei uns in Deutschland sind mehr Menschen von Bahnlärm betroffen als in anderen Ländern."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Ständiger Lärm in der Nacht kann Schlafstörungen hervorrufen und zu Stoffwechselerkrankungen und Herz-Kreislaufstörungen führen.

Gesundheitsfolgen von Lärm

Wenn wir schlecht geschlafen haben, versuchen wir das möglicherweise tagsüber im Job mit Kaffee und Essen zu kompensieren - auch zuckerhaltigen Nahrungsmitteln. Die Zusatzpfunde können auf lange Sicht zu Diabetes und anderen Erkrankungen führen.

Die Umweltagentur hat hochgerechnet, dass durch Dauerlärm in Europa jedes Jahr 12.000 Menschen früher sterben. Bei genauso vielen Kindern führe der Lärm zu Lernstörungen, so die Behörde.

Problem bei Hochrechnungen

Verschiedene Faktoren können solche Hochrechnungen allerdings verfälschen: Denn, wer beispielsweise nah an einer lauten Straße lebt, ist nicht nur dem Lärm ausgesetzt, sondern meist auch höherer Luftverschmutzung.

Da brauche man schon sehr gute Daten, um die Effekte von Feinstaub und Co. und Lärm auseinander zu rechnen, sagt Anne Preger.

Kritik an der EU

Die Europäische Umweltbehörde übt Kritik an der EU: Die Lärmbelastung in Europa sollte in den letzten Jahren schon verringert werden, allerdings habe die EU nicht genug unternommen. Weniger Autoverkehr, dafür mehr ÖPNV und Radverkehr würde dazu führen, dass der Lärm in den Städten abnimmt - und die Schadstoffbelastung gleich mit.