In England sind seit Anfang des Monats mehrere Fälle von Affenpocken bei Menschen aufgetreten. Inzwischen melden die USA, Spanien, Portugal, Italien, Frankreich, Belgien und Kanada Fälle. Auch in Deutschland gibt es nun einen bestätigten Fall.

Normalerweise wird die Viruserkrankung zwischen Affen, Nagetieren, Hörnchen und wohl auch anderen Tieren weitergegeben, sagt Jan Bungartz aus unseren Wissensnachrichten. Dass sich Menschen anstecken, ist deutlich seltener und kommt vor allem in Ländern in Zentral- und Westafrika vor.

"Dass Menschen erkranken, ist deutlich seltener und passiert bisher vor allem in Ländern in Zentral- und Westafrika."
Jan Bungartz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Den ersten Infektionsfall Anfang des Monats in England gab es bei einer Person, die aus Nigeria eingereist war. Reisende, die Infektionskrankheiten einschleppen – das ist erst mal nicht ungewöhnlich.

Ungewohnte Übertragungswege vermutet

Die Fälle in Großbritannien sind aber aus einem anderen Grund ungewöhnlich: Die weiteren bekannt gewordenen Erkrankungen gehen wohl nicht unmittelbar auf Reisen zurück. Auch waren die Betroffenen nicht kürzlich aus afrikanischen Ländern eingereist oder hatten Kontakt zu anderen Einreisenden, wie unser Reporter berichtet.

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Die britische Gesundheitsbehörde (UKHSA) versucht noch herauszufinden, wie sich die Menschen angesteckt haben können. Womöglich gibt es innerhalb der Bevölkerung bisher unbekannte Übertragungen von Mensch zu Mensch, auch wenn die eher selten ist.

Übertragungsmöglichkeiten gibt es laut dem Robert Koch-Institut (RKI) genügend: Neben dem direkten Kontakt – insbesondere zu den Hautbläschen, die bei Erkrankten auftreten – kann eine Ansteckung auch über die Tröpfchenübertragung beim Husten und Sprechen erfolgen. Das Affenpocken-Virus könne sich zudem durch Aerosole verbreiten, auch eine sexuelle Übertragung sei möglich.

Charakteristische Hautbläschen

In Deutschland wurde am Freitag der erste Fall bestätigt. Wie das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München mitteilte, wurde das Virus am Donnerstag bei einem Patienten zweifelsfrei nachgewiesen. Der Patient habe die charakteristischen Hautveränderungen gezeigt.

Das RKI möchte die Menschen und Mediziner*nnen sensibilisieren. Aufmerksam werden sollte man bei den charakteristischen Symptomen in erster Linie den Hautbläschen. Andere Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Schüttelfrost, Erschöpfung sind weniger spezifisch.

Affenpocken verlaufen in der Regel deutlich milder als die inzwischen ausgerotteten Menschenpocken, sagt Jan, auch sind Todesfälle durch Affenpocken äußerst selten.

"Todesfälle durch Affenpocken sind extrem selten."
Jan Bungartz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Fachleute halten es für möglich, dass die Krankheit in Zukunft häufiger auftritt und nicht nur bei Reisenden. Das könnte auch daran liegen, dass die Pockenimpfung 1983 eingestellt wurde. Es wird angenommen, dass ältere Personen durch die vergangenen großen Impfkampagnen gegen die Menschenpocken auch einen Schutz gegen Affenpocken haben.