Ist es schieres Glück, wenn Menschen gesund sind und bleiben oder ist dieser wünschenswerte Zustand per Entscheidung machbar? Was wir für gesund halten und wie wir Krankheit definieren, ändert sich. Erstaunlicherweise liegen viele unserer Vorstellungen heute ganz nah bei denen der antiken Medizin. Der Medizinhistoriker Philip van der Eijk nimmt uns mit ins griechisch-antike Gesundheitsverständnis – und von dort zurück in die Gegenwart.

Den Wunsch "Bleib gesund!" hören wir wieder häufiger, seit uns die Pandemie vor Augen führt, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, gesund zu sein – und zu bleiben. Vielmehr wird uns klar, dass Gesundheit kein Zustand ist, der als gesichert betrachtet werden kann. In Mesopotamien und Ägypten wurde eine gute Gesundheit als "äußeres Gut" begriffen. So wie Schönheit oder Reichtum hatte man sie oder eben nicht. Gesundheit aktiv zu erlangen, lag außerhalb der eigenen Möglichkeiten.

"In welchem Ausmaß sind Gesundheit und Lebensqualität machbar und kontrollierbar?"

Die antike Medizin entwickelt ein anderes Verständnis. Die grundsätzliche Frage nach individueller Machbarkeit und Verantwortlichkeit wird im griechisch-römischen Altertum zum ersten Mal gestellt.

Hippokrates bringt Gesundheit mit Lebensführung in Verbindung

Der griechische Arzt und Lehrer Hippokrates bezieht die Lebensführung des Einzelnen in seine Ausführungen zur Gesundheit ein. Seiner Ansicht nach bedeutet Gesundheit nicht nur Heilung, sondern auch Vorbeugung durch gesunde Lebensführung. Wobei eine gesunde Lebensführung für verschiedene Personengruppen wie Reisende, Seefahrer, jüngere oder ältere Menschen Unterschiedliches bedeutet.

"Die antike medizinische Forschung entwickelte bereits einen äußerst raffinierten Kausalitätsbegriff, in dem unterschiedliche Arten von Verursachung bestimmt wurden."

Die antike Medizin entwickelte Begrifflichkeiten, mit denen Mediziner auch heute noch arbeiten. Innere und äußere Ursache, Neben- und Hauptursache, Symptom, Haupt- und Nebenwirkung – was uns heute ganz geläufig ist bei der Analyse und Behandlung von Krankheiten, wurde damals zum ersten Mal benannt.

Gehalten wurde der Vortrag "Gesundheit, Lebensstil und Verantwortung – Historische Wurzeln und gegenwärtige Perspektiven" anlässlich des Symposiums "Verständnis(se) von Gesundheit". Geladen hatte die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe "Zukunft der Medizin: Gesundheit für alle" am 28. Januar 2020 an die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Der Redner, Philip van der Eijk, ist Wissenschaftshistoriker an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Aufnahme stammt vom Wissenschaftsportal L.I.S.A. der Gerda-Henkel-Stiftung.