In manchen Ländern ist es gängige Praxis, dass Patienten, die ihre Krankenhausrechnung nicht bezahlen können, so lange festgehalten werden, bis sie den Betrag begleichen können.

Sie werden angekettet oder von Wachmännern bewacht: Patienten, die gesund sind, werden Tage, Wochen oder sogar Monate lang daran gehindert, das Krankenhaus zu verlassen. Vor allem in einigen ärmeren Ländern, in denen es keine kostenlose Grundversorgung gibt, sind solche Praktiken ein Problem. Das hat die Analyse des britischen Think Tanks Chatham House ergeben. 

Dafür hat ein Team von Experten mehrere Studien und internationale Zeitungsartikel ausgewertet. Robert Yates ist einer der Autoren der Studie. Er sagt, dass vor allem Frauen mit ihren Babys in Krankenhäusern festgehalten werden, bis sie ihre Rechnung begleichen können. Vereinzelt werden sie sogar angekettet. 

"We have seen that particularly women and babies have been kept in a separate part of the hospital in a ward that got security guards so they can't escape and even on some occasions then being chained up."
Robert Yates, Chatham House

Robert Yates und sein Team gehen davon aus, dass Hunderttausende in Krankenhäusern festgehalten werden. Zwischen 2003 und 2017 wurden mehr als 950 Fälle solcher Fälle in 14 Ländern gefunden. Diese Daten reichen aber nicht aus, um globale Hochrechnungen durchzuführen und mit Schätzungen muss man daher auch vorsichtig sein. 

Gesundheitskosten: 100 Millionen rutschen unter die Armutsgrenze

Das Problem ist nicht nur, dass sich arme Menschen kostspielige Arztbehandlungen nicht leisten können. Die Weltgesundheitsorganisation bestätigt außerdem noch, dass rund 100 Millionen Menschen aufgrund der hohen Gesundheitskosten unter die Armutsgrenze rutschen. 

Und je länger der erzwungene Aufenthalt in einem Krankenhaus andauert, desto mehr Schulden häufen sich an. Viele Kranke versuchen in den genannten Regionen wollen daher nicht ins Krankenhaus. Sie schieben ihn so lange wie möglich hinaus, was lebensgefährlich sein kann. 

"They will die without coming to the health facility. They might wait until it's so bad that they will come still, but then often the illness is already in a further stage and their condition has worsened and the risk of dying is more important."
Mit Philips, Beraterin für Gesundheitspolitik bei Ärzte ohne Grenzen

Besonders problematisch ist es, wenn schwerwiegende Erkrankungen nicht rechtzeitig diagnostiziert werden oder Behandlungen unterbrochen werden. Das betrifft Regionen, in denen Epidemien wie Cholera, Tuberkulose oder gar Ebola herrschen oder ein großer Teil der Bevölkerung mit HIV infiziert ist. Und auch Gebiete, in denen Krieg herrscht oder die Menschen hungern. In diesen Fällen ist eine frühe und schnelle Behandlung überlebenswichtig.

Gesundheitsfonds als Lösungsansatz

Robert Yates vom Think Tank "Chatham House" und Mit Philips von "Ärzte ohne Grenzen" sehen die Lösung in einem Voraus-Bezahlungssystem. Ähnlich wie das Gesundheitssystem bei uns: Jeder zahlt mit seinen Steuern in einen Gesundheitsfonds ein. Der Staat, der Arbeitgeber oder auch Entwicklungshilfe-Organisationen könnten das bezuschussen. Kranke müssten sich dann keine Sorgen mehr um entstehende Kosten machen. 

Allerdings ist es aufwendig und dauert in der Regel lange, solch eine Gesundheitsversorgung aufzubauen. Und es ist nicht ganz so einfach wie etwa in Europa - auch weil in ärmeren Ländern häufig viele Menschen im informellen Sektor arbeiten, also ohne offiziellen Arbeitgeber oder ohne Steuern zu zahlen. 

Positive Beispiele: Burundi, Sierra Leone und Malawi

Es gibt einige Länder, die sehr arm sind, in denen aber eine positive Entwicklung gelungen ist. In Burundi ist es inzwischen tabu, Patienten gefangen zu halten. Außerdem bietet der Staat eine medizinische Grundversorgung an. Andere Länder wie Sierra Leone oder Malawi lassen Frauen mit Babys kostenlos behandeln.