Im kommenden Jahr tritt bei uns in Deutschland ein neues Verpackungsgesetz in Kraft. In diesem Gesetz gibt es unter anderem eine Mehrwegquote: Das Ziel ist es, dass 70 Prozent aller verkauften Getränkeverpackungen wiederverwendbar sein sollen - also Mehrwegflaschen. Noch sind wir weit davon entfernt.

Umweltschutzorganisationen sagen: So geht das nicht. Einwegflaschen sind schlecht für die Umwelt, wir brauchen mehr Mehrweg! Unter dem Motto "Mehrweg ist Klimaschutz" hat die "Mehrweg-Allianz" deshalb eine neue Kampagne gestartet. Zu der Allianz gehört unter anderem die Deutsche Umwelthilfe, sie sagt: Einwegflaschen sind nicht ökologisch, die schaden dem Klima. Statt auf Mehrwegflaschen zu setzen, gibt es aber immer mehr Einwegflaschen. Und diese Entwicklung müsse gestoppt werden.

"Die energieintensive, immer neue Herstellung von Plastik führt zu einer ungemein hohen Belastung des Klimas."
Thomas Fischer, Deutsche Umwelthilfe

Jedes Jahr werden etwa 16 Milliarden Einwegflaschen verkauft, sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe: "Es sind für die jährlich in Deutschland verbrauchten Einwegplastikflaschen 460.000 Tonnen Rohöl notwendig und das zeigt, dass der Einsatz von Plastikflaschen wertvolle, fossile Ressourcen verschwendet, die sind begrenzt vorhanden. Die energieintensive, immer neue Herstellung von Plastik führt zu einer ungemein hohen Belastung des Klimas."

Nicht nur das Klima wird belastet, sondern auch die Umwelt, denn durch die PET-Einwegflaschen entstehen auch große Mengen an Kunststoffabfall. Die Umweltschützer sagen, die Lösung wäre so einfach: Wenn alle nichtalkoholischen Getränke in Mehrwegflaschen abgefüllt würden, dann ließen sich jedes Jahr 1,25 Millionen Tonnen CO2 einsparen. CO2, das bei der Herstellung und auch beim Recyceln der Plastikflaschen entsteht.

Abfallvermeidung ist besser als Recycling

Vielleicht denken sich jetzt einige von uns: Aber die Plastikflaschen werden doch recycelt - immerhin gibt es Pfandautomaten, die meine PET-Einwegflaschen schlucken. Thomas Fischer sagt dazu: "Recycling ist gut, Abfallvermeidung ist besser. Tatsächlich werden nur 28 Prozent der alten Plastikflaschen wieder zur Herstellung von neuen Plastikflaschen verwendet." Auch wenn ein Teil der Einwegflaschen recycelt wird, müssen gleichzeitig viele neue Flaschen produziert werden. Die Wiederverwertung von Altglas funktioniert da besser: Bei Grünglas liegt sie etwa bei 90 Prozent, bei Weißglas sind es um die 60 Prozent.

Die Ökobilanz ist bei Mehrwegflaschen insgesamt besser - egal ob Glas oder Plastik. Eine Glasflasche kann bis zu 50 mal wiederverwendet werden, eine Plastik-Mehrwegflasche bis 25 Mal.

Mehrweg verursacht höhere Kosten

Trotzdem ist der Mehrweganteil rückläufig. Die Deutsche Umwelthilfe vermutet, dass es daran liegt, dass Mehrweg immer einen zusätzlichen logistischen Aufwand erfordert. Obendrein ist Mehrweg nicht konkurrenzfähig mit Einwegflaschen, was den Preis angeht. Wasser aus Mehrwegflaschen kostet mehr und kann mit den Discounterpreisen für Wasser in PET-Einwegflaschen nicht mithalten. Die Deutsche Umwelthilfe ist darum für eine Gebühr, die auf Einwegplastikflaschen erhoben wird.

"Plastik muss richtig teuer werden, und deshalb fordern wir eine Abgabe von 20 Cent auf unökologische Einwegplastikflaschen und Getränkedosen, sodass Mehrweg auch bei den Discountern eine Chance bekommt."
Thomas Fischer, Deutsche Umwelthilfe

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