Warum unterstützen manche Menschen politische Gewalt? Das wollten Forschende der University of Chicago herausfinden. Das Ergebnis: Abhängig von unserem moralischen Standpunkt reagiert das Belohnungssystem.

Unser Handeln richtet sich vor allem danach, welche Werte wir haben und welcher moralischen Überzeugung wir folgen. Für die meisten Menschen bedeutet das etwa, sie lehnen jede Form von Gewalt ab.

Trotzdem können sie Gewalt gut finden, sagen Forschende der University of Chicago. In ihrer Studie, die das Fachmagazin American Journal of Bioethics - Neuroscience veröffentlich hat, kommen sie zu dem Ergebnis: Richtet sich die Gewalt gegen Menschen, deren moralische und soziale Haltung wir ablehnen, kann die Gewalt dennoch einen positiven Effekt in unserem Gehirn auslösen.

Dazu haben die Forschenden über 30 Probanden Bilder gezeigt, die politische Gewalt in Form von körperlichen Angriffen abgebildet haben. Währenddessen haben die Forschenden die Hirnaktivität der Studienteilnehmer per MRT-Scan untersucht.

"Dunkle Seite der Moral"

Haben die Probanden Bilder gesehen, in denen sich die Gewalt gegen eine Person gerichtet hat, deren politischer Haltung sie widersprachen, ist ihr Belohnungssystem im Gehirn angesprungen, so die Neurowissenschaftler.

Durch ihre moralische Überzeugung konnten die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer den Einsatz von Gewalt in diesen Fällen fast schon nachvollziehen. Diesen Effekt nennen die Autoren die "dunkle Seite der Moral".

Das bedeutet: Ob und inwiefern wir Gewalt möglicherweise gut finden, hängt von unserem eigenen Standpunkt ab und von der Frage, gegen wen sich die Gewalt richtet.

Prinzipiell kein negativer Effekt im Gehirn

Allerdings, schreiben die Wissenschaftler, haben sie ihr Experiment vor allem mit Probanden durchgeführt, die über sich selbst gesagt haben, ein liberales und vergleichsweise offenes Weltbild zu haben. Sie schließen aber nicht aus, dass der Effekt auch für Menschen mit anderen politischen Positionen greift.

"Die eigentliche Gewalt ist erst mal nichts, was für das Gehirn schlecht wäre. Es kommt sehr darauf an, gegen wen sich das richtet."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Gleichzeitig weisen die Forschenden darauf hin, dass ihre Studie nicht darauf schließen lässt, dass die Probanden selbst gewalttätig würden. Ihre Reaktion weise eher auf die Rolle eines Beobachters von Gewalt hin.

Einen ähnlichen Effekt zeigt auch das Verhalten der Menschen in der Vergangenheit, erklärt Neurowissenschaftler Henning Beck. Denn: Innerhalb einer Gruppe könne die gemeinsame Ablehnung anderer für einen stärkeren Zusammenhalt sorgen.