In Deutschland ist Kleidung immer noch häufig Wegwerfware. Einige der gebrauchten Klamotten landen in Ghana. Doch dort werden die Textilien zunehmend zum Problem, wie unsere Korrespondentin Dunja Sadaqi berichtet.

Einiges passt nicht mehr, vieles gefällt nicht mehr und manches hatten wir noch nicht ein einziges Mal an. Der Beginn eines neuen Jahres ist bei einigen auch immer die Zeit, in der wir unseren Kleiderschrank ausmisten. Teile, die wir nicht mehr verkaufen können – oder wollen – landen dann schnell im Altkleidercontainer. Wir denken, dass wir damit anderen Menschen, die sich etwa keine Kleidung leisten können, etwas Gutes tun.
Dass dem nicht immer so ist, weiß unsere Korrespondentin in Ghana Dunja Sadaqi. "Täglich kommen Hunderte Tonnen Altkleider hier an. Die werden in großen Ballen kiloweise an Händler vor Ort verkauft", erklärt sie. "Die bringen das dann auf die Wochenmärkte, wo viele Menschen, die aufs Geld achten müssen, Klamotten shoppen gehen." Das Problem dabei sei aber, dass rund die Hälfte der Ware nicht mehr tragbar und damit unverkäuflich sei.

Brennende Altkleider-Berge gehören zum Straßenbild

Was auf den Wochenmärkten nicht verkauft werden könne, werde versucht zu Schleuderpreisen an weitere Händler zu verkaufen, damit diese die Kleidung in ländlichere Gegenden bringen, so Sadaqi. "Da will es aber auch niemand mehr haben, weil es eben Müll ist", sagt sie. Das führe dazu, dass die Menschen zu drastischen Mitteln greifen, um unsere alten Klamotten loszuwerden und sie anzünden.

"Am Straßenrand, am Strand, an Ortsrändern: Überall sind Meter hoch aufgetürmte Klamotten-Berge. Die brennen, weil die Menschen verzweifelt versuchen, sie loszuwerden."
Korrespondentin Dunja Sadaq über das Altkleider-Problem in Ghana

Der Gestank der brennenden Textilien sei das eine, so Sadaq. "Manche Menschen haben mir erzählt, dass sie davon Kopfschmerzen bekommen oder sogar krank werden", sagt die Journalistin. "Einige Nichtregierungsorganisationen sagen, dass die Altkleider auch Flüsse verstopfen und es deshalb zu Überschwemmungen kommen kann." Am schlimmsten jedoch sei die Verschmutzung der Gewässer durch Chemikalien wie beispielsweise Färbemittel, erklärt sie.

Ghana ist kein Einzelfall

"Es gibt andere afrikanische Staaten, die ähnliche Probleme haben", sagt Sadaq. "Manche, wie Ruanda in Ostafrika, haben deshalb schon vor Jahren einen Stopp für den Import von Secondhandware verhängt." Um aber wirklich was am Altkleider-Wahnsinn zu ändern fehle es an einem tatsächlichen politischen Willen, so die Einschätzung der Korrespondentin.

"Am Kauf und Verkauf dieser Secondhand-Ware hängen Tausende Menschen mit ihren Familien", sagt sie. "Ihnen muss man erst einmal eine Alternative geben." Wenn wir in Europa etwas an den Altkleider-Müllbergen in Ghana und anderen Ländern des globalen Südens ändern wollen, dann könnten wir bei uns selbst anfangen und unseren Konsum hinterfragen, so der Rat von Sadaq. "Wir können in Europa einfach gucken: Wie viel Klamotten kaufen wir uns eigentlich im Jahr und wie viel landet im Altkleider-Container?"